100 BIS 1000 MEISTERWERKE - HARTPLATZCLIPS IM PORTRAIT

Mertesackers schwarzer Tag

Von Oliver Fritsch

Wenns schon schlecht läuft, dann richtig: sechs Stück in Stuttgart, ein überflüssiger Platzverweis nach Foul am Gegenspieler und dreifachen Torschützen Gomez - und dann ist da noch dieses pechvogelhafte Eigentor, weil Mertesacker dem Befreiungsschlag seines Mitspielers Fritz in den Weg läuft.

Fehlende Spielpraxis

Von Oliver Fritsch

Entgegen seinen Beteuerungen war Jens Lehmann die fehlende Spielpraxis gegen Österreich anzumerken.

Der doppelte Elber

Von Oliver Fritsch

Maxi Rieders
(ATSV Kirchseeon) Kombination aus 1/2 Arm und Handschuhen erinnert mich an Giovane Elber. Sein herrlicher Schuss in die Bogenhausener Triangel natürlich auch.

Bravo für Diegos Rücken

Von Oliver Fritsch

So was wie Diegos zauberhaften Rücken-Pass hat man in Deutschland noch nicht gesehen. Das Bremer Publikum goutiert es mit Bravo-Rufen.

Abkehr von der traditionellen deutschen Torwartschule

Von Oliver Fritsch

Dorin Chimiuc
von Sparta Göttingen zeigt eine Fähigkeit, die einem (nichtgenannten) deutschen Ex-Nationaltorhüter abhanden geht: Er bleibt lange „groß“. Dazu passt eine Aussage Robert Enkes, des Torhüters von Hannover 96, der stolz sein sachliches Spiel schildert: „Ich versuche, schwierige Situationen durch mein Mitspielen schon im voraus zu lösen, auch wenn das dann nicht unbedingt spektakulär aussieht. Andere Torhüter brauchen solch spektakuläre Aktionen, um den Ball zu halten – und werden dafür dann auch noch gefeiert. Das merkt sogar meine Frau, wenn ich zu Hause ein Spiel anschaue und der Reporter dann ruft: 'Super Parade!' Viele sehen eben nicht, was gar nicht notwendig war, sondern nur dazu diente, etwas spektakulär aussehen zu lassen. Ich finde so etwas lächerlich, das brauche ich echt nicht. (...) Die Leute erkennen an, dass der Enke einer ist, der nicht so viel Heckmeck macht, seinen Stiefel runterspielt und nicht fliegt, wenn er nicht fliegen muss. Ich freue mich natürlich auch, wenn ich mal einen spektakulären Ball halten kann. Das ist wichtig fürs Selbstvertrauen und für die Wahrnehmung. Aber noch wichtiger ist, der Mannschaft ein Gefühl der Sicherheit zu geben.“

Das ist wahrlich eine Abkehr von der traditionellen deutschen Torwartschule.

Strafen für Torjubel

Von Oliver Fritsch

Für folgenden Torjubel gab es, gemäß der strengen Fifa, eine Zeitstrafe für den Torschützen, der sich beim orgiastischen Jubel das Trikot über den Kopf zog - eine Regel, gegen die Fans im Internet vor gut zwei Jahren mal eine Plattform gründeten: grenzenloser-jubel.de. Doch der Protest bewirkte nichts außer ein wenig Aufmerksamkeit in den Medien, heute wird die Domain zum Verkauf angeboten.

Anmerkung: Es handelt sich bei diesem Video um ein C-Jugend-Spiel; Gelbe und Rote Karten werden aber erst ab der B-Jugend verteilt. So blieb dem Schiedsrichter nur das Verhängen einer 5-Minuten-Strafe.

Ich hab neulich erlebt, wie ein A-Jugendlicher unseres Vereins (RSV Büblingshausen) einen seltsamen Feldverweis verpasst bekam: Er erhielt kurz vor Abpfiff eine Zeitstrafe, und als er das Spielfeld verließ, teilte ihm sein Trainer mit, dass das Spiel nun für ihn beendet sei. Nun zog er aus Enttäuschung das Trikot aus - wohlgemerkt außerhalb des Spielfelds - woraufhin ihm der Schiri die Rote Karte zeigte. Man kann auch überkorrekt sein.

Dreht dem Schützen mir nichts, dir nichts den Rücken zu

Von Oliver Fritsch

Zugestanden, Jan F. hat sich seinen Ruf als Elfmeterkiller hart erarbeitet - doch ob es sich mit den Geboten des Anstands vereinbaren lässt, wenn ein Torhüter beim Elfmeter dem Schützen seine Überlegenheit und Unbezwingbarkeit so zur Schau stellt?

Schnörkellose Reinheit

Von Oliver Fritsch


Ein Clip für Nostalgiker und Minimalisten. Also mich. Diese acht Sekunden Film kommen ohne jeden Schnörkel aus, nicht mal der Torjubel lenkt uns Zuschauer vom Wesentlichen ab. Allenfalls die Fanfare im Hintergrund zeugt von einem – maßvollen – Willen zur Verzierung. Überhaupt der Ton: So beiläufig und uninszeniert die Sache insgesamt wirkt, so kann einem die präzise akustische Rhythmisierung nicht entgehen. Der Dreiklang aus weiblichem, sanften Ansporn, männlicher, heftiger Empörung und gemeinsamem, ekstatischem Torjubel ahmt perfekt die Triole aus Pass, Foul und Tor nach. Höchste Fußballvideokunst. Aber auch der reine Amateurfußball vor Dorfkulisse.


Schwer zu sagen, in welchem Jahr das Spiel stattfand. Den Trikots und den engen Hosen zufolge könnten es die 80er sein; vermutlich ist der Clip aber viel jünger. Ich glaub, ich hab ihn mittlerweile hundert mal gesehen – und fast so oft weitergeleitet.


Neulich in San Siro

Von Oliver Fritsch

So kann man den AC Mailand natürlich nicht aufhalten: Slalomstangen sind springende Rosse im Vergleich mit der Abwehr von Manchester United.

Thomas Helmer
Von Thomas Helmer

Das ist das Leid des Torhüters, hätte auch Olli passieren können.




Postmoderner Fußball-Pop

Von Oliver Fritsch


Fußball-Pop, der Clip könnte auch auf MTV laufen. Dieser Ausschnitt hat etwas Alternatives und etwas Konventionelles. Alternativ sind das Szenario, eine Art Parkplatz mit Torwand-Graffiti, aber auch die Hose des Schützen, eine No-Name-Marke. Vor allem aber die experimentelle Bildführung, die nur das Wesentliche, Bein, Ball und Ziel, ins Visier nimmt. Konventionell hingegen sind die Schuhe, die altdeutsche Drei-Streifen-Marke, die das Establishment repräsentiert. Konventionell ist ebenso die reine Technik: Das Standbein zeigt die Richtung an, das Schussbein (links!) schwingt durch bis in die Waagerechte; der Ball kann gar nicht anders als ohne Holzkontakt durch die Torwand zu segeln. Das ist deswegen konventionell und ein Gegensatz zum Alternativen, also zum Sanktpaulihaften, weil das Sanktpaulihafte ja immer etwas Antifußballerisches hat. Die Jungs, die aufm Bolzplatz oder im Schwimmbad mit den braunen Totenkopfhemden zum Kick erscheinen, haben ja meist nur ein Gelenk im Körper und Bügeleisen statt Füßen.


In diesem Clip aber gehen Alt und Neu, Klassik und Romantik, Alternative und Konvention, St. Pauli und Bayern München, eine formvollendete Symbiose ein. Ich glaube, das meinten diese komischen Franzosen mit Postmoderne.


Von Rainer Schäfer (Rund)

Großartige Linksschwäche von Lars Rasche. Diese Szene muss er noch Jahre lang in der dritten Halbzeit rechtfertigen und erklären. Der ganze Charme und Blues des Amateurfußballs, auf wenige Sekunden komprimiert.

Schlechte Arbeitsmoral bei den Bayern?

Von Oliver Fritsch

Früher hätte er den locker reingemacht. Doch Salihamidzic ist, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, in Gedanken schon bei seinem neuen italienischen Klub.

Neues aus dem Uefa-Cup

Von Oliver Fritsch

Thomas Schaaf hatte vor dem Spiel noch vor den Stärken der Spanier bei Standards gewarnt, doch die Bremer fielen auf die simpelsten Tricks herein.

Neues aus der Champions League

Von Oliver Fritsch

Wie so oft, wenn die Abwehrmeister aus Chelsea und Liverpool aufeinandertreffen, entscheidet ein einziger Fehler die Partie.

Passt

Von Oliver Fritsch

Dieses Video beruhigt uns etwas. Wir hörten verschiedentlich, dass unsere Gewinner-Shirts (Award 2006) zu klein seien. Doch unserem Pechvogel Nummer 1, Ramin Djamshidian (Concordia Osnabrück), passts wie angegossen. Und ein schönes Tor obendrein.

Der Stier

Von Oliver Fritsch

Hab ja schon viel gesehen, aber diese Art des Amoklaufs mit diagonal nach vorn gestreckten Armen, Stierhörnern ähnlich, war in meinem Bildspeicher von Bewegungsabläufen im Fußball bisher nicht vorhanden. Auffällig ist auch, dass sich der Spieler, dessen Name uns nicht bekannt ist, nicht von seinem Fehlpass zu höherer Aktivität verleiten lässt, sondern erst schneller zu laufen beginnt, als er seine Chance zum Hacken erkennt. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen, dass ihm sein schlechtes Gewissen anzumerken ist, denn nach dem Tritt läuft er erstmal ein paar Schritte weiter, dem Tatort (so muss man es nennen) den Rücken zuwendend, als könnte er fliehen.

Doch meine Lieblingsstelle in diesem Clip ist der Zuschauerkommentar: "Hat gepfiffen, Ruhe!" Das sagen meist (wie es in diesem Fall ist, weiß ich natürlich nicht) die größten Schreihälse. Wir hatten mal drei Saisons lang einen Betreuer am Spielfeldrand, gegen den Rumpelstilzchen ein Stoiker war. Wenn er nach seinen lauten, langen Tiraden gegen Schiedsrichter, Spieler des Gegners und des eigenen Teams, Zuschauer, Trainer und Gott und die Welt mal Luft holte, streute er auch mal ein mahnendes "Ruhe!" an unsere Adresse ein, weil vielleicht mal jemand von uns Spielern mit dem Schiedsrichter diskutierte. Von solchen Leuten, die Gelassenheit und Disziplin vorleben, lässt man sich natürlich gerne den Mund verbieten.

Das Glück fährt ihm die Haut

Von Oliver Fritsch

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass es sich bei dem Torschützen (Sven Tschammler) um einen Abwehrspieler handelt. Darauf lässt zwar auch die 2 auf dem Trikot schließen - doch was beudeuten heutzutage noch Rückennummern? Vielmehr sind es zwei andere Dinge, die Tschammlers Identität verraten: Erstens ist der Schuss eher eine Verzweiflungstat und "eigentlich" die falsche Entscheidung, denn zu unwahrscheinlich war die Aussicht auf Erfolg. Zweitens kann man dem Jubel anmerken, dass ein Tor vermutlich zu den selteneren Ereignissen des Spielers gehört; sonst wird es eher zu seinen Aufgaben gehören, Tore zu verhindern. Doch hier kann Tschammler sein Glück kaum fassen, so sehr fährt es ihm in die Haut. Aber egal, es ist eins der schönsten Tore auf harplatzhelden.de.

Brutalo-Punk


Von Manni Breuckmann





Es fällt auf, dass der Amateurfußball gelegentlich einen fatalen Hang zum Brutalo-Punk hat, stark an der freien Entfaltung des Gegenspielers interessiert ist und über ein reiches Potential an ungeschliffenen Diamanten verfügt.




Ramsch bei der Mannschaftswahl


Von Günther Jauch






Den Ball aus 80cm Entfernung und ohne Gegenspieler noch an die Latte gedonnert zu haben, ist mir selbst in der Schülermannschaft schon passiert. Seit dem Tag wurde ich nur noch im Dreierpack am Ende der Mannschaftswahl verramscht.



Wie der Befreiungsschlag zur Gefahr wird

Von Oliver Fritsch


Das Video ist deswegen so bemerkenswert, weil es mir in einer Jahre dauernden (und ergebnislosen) Diskussion zwischen mir und einem ehemaligen Spielausschussmitglied in die Karten spielt. Es geht um folgendes: Er behauptet, ich würde meine Abwehr überfordern, indem ich von ihr einen ruhigen Spielaufbau verlange; das sei zu riskant, weil daraus zu viele Ballverluste und Gegentore resultieren. Seine Aufforderung, die er geschätzte 30 mal pro Halbzeit ins Spiel ruft, lautet: „Schlagen!“ Nach dem Motto: Hinnerum wird net gefutschelt! Mal abgesehen davon, dass ich gar nicht ständiges Kurzpassspiel von meinen Verteidigern fordere, entgegne ich aber immer: Selbst der Befreiungsschlag kann zur Gefahr werden, wenn er in Bedrängnis gespielt wird – so wie in dem vorliegenden Video. Hätte der Angespielte (in weiß) den Ball abgeschirmt oder zu seinem Mitspieler (Libero oder linker Verteidiger) gepasst, wäre erstmal nichts passiert. Doch sein Versuch, einen langen Ball aus der Gefahrenzone zu spielen, hat den Gegner erst in günstigste Position gebracht. Schon hats geklingelt, und der Ball liegt keine halbe Minute später wieder am selben Ort.

Nebenbei zeigt der Clip natürlich Amateurfußball at its best: Kulisse, Stimmung, Raunen, Jubel, Bratwurst. Wäre ich gerne dabei gewesen.


 
 

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