Hier spricht der Trainer

5.Juni 2008: Finale

Fürchte die Schwalbacher, auch wenn sie Dir Geschenke bringen! Dem Strauß Blumen vor dem Anpfiff ließen die Gastgeber während des Matchs ein paar Tritte folgen. Das emotionale und harte Spiel stand unter dem Zeichen des Hinspiels – womit aber nicht die Partie im Dezember (1:2) gemeint ist, sondern die Vorfälle vor vierzehn Tagen: Nachdem wir in Burgsolms Meister geworden waren, fuhren wir in blauen Shirts und mit blau-weißen Fahnen nach Schwalbach auf die Kirmes, um dort von der Bühne aus, auf die wir zunächst gebeten wurden, den Gastgebern in einigen Gesängen mitzuteilen, was wir von uns, von ihnen und ihrem (sagen wir) Anhang halten. Das Mikro wurde schnell abgedreht. Am Sonntag gab’s die Quittung. Nun, wer Wind sät … Dabei war alles doch nur lieb gemeint. Ich wurde übrigens am Vortag in Reiskirchen, wo die Zweite Mannschaft ebenfalls mit 2:2 die Saison beendete, gewarnt, Lächeln in Schwalbach nicht mit guten Absichten zu verwechseln. Man solle die Boxhandschuhe nicht vergessen, sagte mir ein Nauborner Urgestein, der mir, als Laufdorfer, natürlich nicht das Schwalbacher Wesen erklären musste. Kein leichtes Spiel für den Schiedsrichter, der sich wohl auf einen Sommerkick eingestellt hatte. Nur so viel zu seinen Entscheidungen: Das Foul an Aki Laband in der ersten Halbzeit war den Regeln nach eine unstreitbare Rote Karte. Nichts anderes. Er gab ja nicht mal Gelb.

Unentschieden in Schwalbach, davon eine Stunde lang in Unterzahl, mit einer Mannschaft, wie sie jünger kaum sein könnte (vor allem nach der Roten Karte für uns). Drei Szenen will ich mir davon in Erinnerung bewahren: Nach sanfter Flanke des hoch motivierten Peter Flink ein Kopfballtor von Michi Wagner, der sich kurz später bedauerlicherweise das Handgelenk brach. Als die „Dachlatt“ eingewechselt wurde, um „Paddy“ Meisterjahn zu ersetzen, begrüßte ihn ein Gegenspieler: „Wo hastn Dei Hörnche?“ Unaufgefordert kam Mittelstürmer Aki Laband (den ich schon genauer hab schießen sehen) in der Nachspielzeit bei einem Eckball für den Gegner in den eigenen Strafraum geeilt, um dort die Gefahr zu bereinigen. Obwohl es ja um „nichts“ mehr ging. Was natürlich nicht stimmt: Es geht immer um irgendetwas. Dass alle verteidigen, dass alle etwas tun, um den anderen zu helfen – das zeichnet uns diese Saison aus. Und hoffentlich auch nächste.

 

26.Mai 2008: Nackte Wahrheiten

In unserem ersten Spiel nach dem Vollzug des Aufstiegs war eine Halbzeit lang die Müdigkeit in den Köpfen und Beinen. Nun, ich hätte im letzten Heimspiel gerne ein bisschen mehr Dampf von meiner Mannschaft gespürt, aber die famose Saison, die nun bald hinter uns liegen wird, lässt mich darüber mit größter Gelassenheit hinwegsehen. Zumal der zweite Durchgang ein anderes Bild bot. Außerdem ist ein 2:2 (und nicht 1:1, wie ein klubinternes Medium irrtümlicherweise meldete) gegen Steindorf kein Ergebnis, für das man sich schämen muss. Diese Mannschaft hätte deutlich mehr Punkte auf ihrem Konto, wenn sie immer in dieser Besetzung gespielt hätte. Ein Dank übrigens noch mal an den TSV, dass ihr das Spiel auf Samstag verlegt habt. Es war ja auch nicht zu Eurem Nachteil, nicht wahr?

Demnächst werde ich ein Saisonfazit schreiben, doch so viel man an dieser Stelle: So schön kann Fußball sein! Was für ein geiles Jahr! So viele Siege – und am Ende knallt’s ordentlich! Bumm! Erst wird geschafft, dann wird gefeiert! Schöner geht’s nicht. Mehr als Meister geht nicht. Ich sehe rund um das Büblingshäuser Sportgelände nur lachende Gesichter.

Was noch? Ein sehr (wie soll ich sagen) unterhaltsames Spiel haben wir von unserer Zweiten erlebt. Wer es verpasst hat: Wir haben die Höhepunkte auf Video. Apropos, interessant auch, dass mir Teile der Mannschaft nachts zuvor in der Hotellobby und am Bierpils im Adamskostüm gegenübertraten. Wir sind halt nicht Manchester United, das zu seinen Meisterfeiern Stripperinnen einlädt. Warum also nicht selbst blank ziehen?

Vorbildlich übrigens, mit welchem Langmut der Gegner, Inter, seine sportliche Unterlegenheit (doch, das kann man so stehen lassen) und eine völlig überzogene Gelb-Rote Karte hingenommen hat. So geht’s doch auch. Und in der Partie Oberbiel gegen Erda, die ich ab der 60. Minute sah, hätte ich auf alles andere getippt, bloß kein 0:0. Vielleicht begleiten uns die Oberbieler ja in die Kreisoberliga.

 

19.Mai 2008: Time to make friends

Der RSV Büblingshausen erreicht das gelobte Land. Sein gelobtes Land (jeder hat da ja andere Vorstellungen): die Bezirksliga West. 4:2 in Burgsolms, 9 Punkte Vorsprung zwei Spieltage vor Saisonende. Es ist der neunte Sieg hintereinander gewesen. Noch Fragen?

Ich hatte gerade in der ersten Halbzeit den Eindruck, dass einige wesentlich nervöser waren als sonst – was man unseren jungen Spielern nachsehen muss. Daher verwundert es nicht, dass unser Erfahrenster bester Spieler auf dem Platz war: Michael Mutz sendete seinen Gegenspielern neunzig Minuten das Signal: Greift mich nur an, gerne auch zu zweit – den Ball bekommt Ihr nicht! Kaum noch erwähnenswert, dass er das wichtige 2:1 erzielte. Souverän auch die Leistung von Michael Giani und, wie gehabt, Kay Rauber. Sehr engagiert bei seinem ersten Einsatz in der Startelf seit langem: Robert Schweizer, der zudem das erste Tor gefühlvoll einleitete und mit dem 4:2 den Sack zumachte.

Die anschließende Tour de Hinterland führte uns über Burgsolms/Industriegebiet, Laufdorf, Volpertshausen und Niederwetz nach Schwalbach. Die Fahrt, angeführt von Meister-Chauffeur Erwin F., stand unter dem Motto: „time to make friends“. Meistzitierter Satz des Abends: Da ist das Ding. Dicker als mein Kopf war am nächsten Tag übrigens nur noch mein rechter Fuß. Sieht nicht gut aus, Außenbandverletzung. Aber ich hab ja nun Zeit zum Kurieren.

Ich hab Jupp vor Beginn meiner RSV-Tätigkeit im Januar 2007 davor gewarnt, welche Risiken der Verein mit mir auf sich nimmt. Also welche Risiken ein Aufstieg mit sich bringt: erhöhtes Medieninteresse, strengere Auflagen der Uefa und so weiter und so fort. Ist es wirklich Zufall, dass unser Aufstieg mit dem der TSG Hoffenheim in die Bundesliga auf einen Tag fällt? Auch hab ich der Mannschaft in der Burgsolmser Halbzeitansprache deutlich gemacht, dass wir in der Bezirksliga härter und öfter trainieren werden. Sie sollte eine letzte Chance erhalten, es noch mal zu überdenken. Nicht dass es nachher heißt, ich hätte nichts gesagt.


12.Mai 2008: Cola mit Stoff, aber ohne Eis

Es wäre kein würdiger Rahmen für uns gewesen, den Aufstieg zu vollenden. Türkgücü setzte, wie befürchtet, alles daran, als Spielverderber aufzutreten – und zwar als Spielverderber im ureigentlichen und wörtlichen Sinn: Gezeter und Gemoser, Getrete und Gehacke, Gefalle und Gespucke, fast neunzig Minuten lang. Wie nervig ist es für einen Trainer (mich), wenn er auf die Einwechslung eines Stürmers (Michi Wagner) deswegen verzichtet, weil er Angst um seine Gesundheit hat. Leider hat man ja auf dem Spielfeld wenig Gelegenheit dazu, gegen den Anti-Fußball dieses Gegners zu protestieren oder es ihnen sonst wie heimzuzahlen; man würde ja bloß selbst eine Sperre und ein blaues Auge riskieren. Das einzige Mittel (außer Gewinnen), um seine Abneigung kundzutun, war drei Minuten Spielverweigerung Mitte der zweiten Halbzeit: Rückpass zum Torwart, Pass zum Außenverteidiger, Querpass zum Innenverteidiger, Rückpass zum Torwart, Pass zum Außenvert… undsoweiter undsoweiter. Es war nicht schön anzusehen, liebe Zuschauer, aber so viel Protest muss sein dürfen.

Eine sportliche Analyse fällt diesmal also flach. Und ich kann meine Worte aus der Hinrunde nur wiederholen: Wenn Fußball immer oder immer öfter so wäre, würde ich sofort aufhören. Aber so ist es ja nicht, und nun fahren wir nächsten Sonntag nach Burgsolms um aufzusteigen. Mit einer würdigen Leistung. Und, bestimmt, mit einem würdigen, weil fairen Gegner.

Der Schiedsrichter war ebenso nur zu bedauern. Mit vier Feldverweisen war er ja noch gnädig, nicht wahr? Was mich aber irritiert: Zehn Minuten Verspätung sind keine Welt. Aber es muss doch im Zeitalter von Handy und Internet möglich sein, den wartenden Mannschaften von unterwegs aus mitzuteilen, wann mit dem Eintreffen und also dem Anpfiff zu rechnen ist. Zumal Schiedsrichter per Regel verpflichtet sind, 45 Minuten vor Spielbeginn anwesend zu sein. Und wenn das nicht möglich ist, kann man doch wenigstens bei der Passkontrolle den Spielern und Trainern seine Verspätung erklären. Immerhin geht es hier um Platz 1. Warum denn so unkommunikativ? Redet doch mit uns, meine Herren!

Wolfgang Vogts Rede muss ich jedenfalls Recht geben. Das nächste Mal müssen wir Eiswürfel im Kühlfach deponiert haben, wenn es wieder Cola mit Stoff geben sollte. Mir fiel das erst ein, als ich, vom Wertkauf (ich sag beharrlich noch Wertkauf) mit dem Sprit zurückkommend, auf den Weg zum Vereinsheim abbog – dort, wo demnächst unsere Statuen stehen werden.

6.Mai 2008: Sieg auf Russisch

Es war keine gute Leistung von uns. Ungewöhnlich viele Fehlpässe, ungenaue Schüsse und – ausnahmsweise soll an dieser Stelle mal von mir die Rede sein – einige Querschläger brachten unser Spiel ins Stocken. Das Match auf der Bezirkssportanlage (auch als Bibliothek von Büblingshausen bekannt) war über weite Strecken ausgeglichen, teilweise war es sogar Dorlar, das das Mittelfeld beherrschte. Doch das System, das wir spielen, erlaubt es uns, selbst an schwächeren Tagen den Platz als Sieger zu verlassen. Stichwort Raumaufteilung. Also erlaube ich mir mal das Fazit: Wer selbst solche Spiele ungefährdet (ja, ungefährdet!) gewinnt, wird sehr weit oben landen. Vermutlich sogar ganz oben.

Zwar hatten alle Stammkräfte nicht ihren besten Tag. Doch es ist eben einer in die Presche gesprungen, der bisher eher in der zweiten Reihe stand: Johann Reisch wurde mit zwei Treffern zum Matchwinner. Gute Leute braucht man eben. Gute Leute. Das zeichnet auch eine erfolgreiche und funktionierende Mannschaft aus. Weiß jemand, was das hier heißt: Победа?

Nur noch vier Punkte aus vier Spielen fehlen. Und die wollen wir so schnell wie möglich holen, um auf Nummer ganz sicher zu gehen. Übrigens, auf das Torverhältnis darf man sich in der Kreisliga nie verlassen; da sind an letzten Spieltagen schon die kuriosesten Dinger passiert. Aber so weit ich höre, nehmen die Buchmacher keine Wetten mehr auf den A-Liga-Meister Büblingshausen an. Wie viel noch mal hätte man bekommen, wenn man vor einem Jahr 5 Euro auf den Meister RSV gesetzt hätte?

Die Top-3-Hits vom Abend im Klubheim, sozusagen die Walter-Charts: der „Hosenlatz-Boogie“, die „Köhlerliesel“ und „Warum ist es am Rhein so schön?“ Diese Frage, die uns Deutschen seit uralten Zeiten auf den Nägeln brennt, konnten wir aber auch nicht beantworten. Was uns auch noch erschienen ist: ein Türke mit einer TSG-Hoffenheim-Fahne. Das muss man sich noch mal auf der Zunge zergehen lassen: ein Türke mit einer TSG-Hoffenheim-Fahne. Sowas kann’s doch gar nicht geben. In einen solchen Rausch hat uns der Sieg offenbar versetzt. Ich hoffe, wir werden bis nächsten Samstag wieder bei Sinnen sein. Dann werden uns nämlich elf Türken gegenüberstehen – und zwar leibhaftige.

28.April 2008: Wir sind doch keine Kannibalen

Reif, konzentriert, zielstrebig – das sind drei Attribute, mit denen man unseren Sieg in Niederlemp gut beschreiben kann. Der Gegner erwies sich als schwächer als befürchtet; ich muss gestehen, dass ich mit gehörigem Respekt angereist gewesen war. Doch letztlich blieb es bei zwei halben Torchancen, von denen eine sogar zum Ehrentreffer geführt hat, allerdings zu einer Zeit, als alle Messen und Fan-Choräle gesungen waren.

Mit seinen dynamischen Dribblings aus der Mitte und über beide Flügel zeigte Peter Flink vom Anpfiff an, dass wir mit großem Tatendrang zu Werke gehen wollten. Das war unser Startsignal. So war das 1:0 nach einer blitzsauberen Kombination über Johann Reisch, Peter, Aki Laband und, abschließend, Jörn Bohn, die überfällige Führung. Auf der schwer bespielbaren Lemper Wiese gelang noch die eine oder andere sehenswerte Kombination. Doch zwei „Standards“ sorgten für die Entscheidung. Das ist halt typisch für eine Mannschaft an der Spitze: Wenn’s läuft, dann läuft’s, und dann gehen eben auch mal solche Dinger rein. Nach dem 4:0, wunderbar vorbereitet durch den guten Flo Walther, ließen wir die letzten fünfundzwanzig Minuten ausklingen; da hätte ich mir noch ein bis zwei Tore gewünscht. Doch wir sind halt keine Kannibalen.

Ein Satz noch zu Aki: Nicht nur, dass er uns im zarten Alter von 18 Jahren mit einem Schnitt von über 1 Tor/Spiel (!) an die Tabellenspitze geschossen hat. Auch ist er immer anspielbereit, sehr engagiert an der Balleroberung beteiligt und kommt auch, oft unaufgefordert, bei Ecken für die Gegner in den eigenen Strafraum um auszuhelfen.

Der RSV ist nun einen weiteren Schritt dem großen Ziel näher gekommen. Doch noch sind 9 Punkte nötig, um den VfB Erda, die SG Ehringshausen und die SG Oberbiel auf Distanz zu halten. Ein Fußballmonat kann lange sein.

26. April 2008: Schreier-Bier, das schmeckt!


Ja, ja, der Bericht kommt ja. Diesmal etwas verspätet, ich hatte halt zu tun. Es haben einige (nicht nur Spieler) danach gefragt, in forderndem Ton. Hier bring ich Euch den Stoff, den Ihr braucht:

6:2 gegen den Tabellenzweiten Oberbiel – das nenn ich mal ein Highlight! Eins mal vorweg: Dieses gute, flüssige Spiel konnte auch deswegen zustande kommen, weil wir einen vorzüglichen Schiedsrichter (Herr Schmidt) hatten, der nicht so kleinlich pfeift (man könnte auch sagen: nicht auf jeden Faller hereinfällt). So blieb das Tempo hoch, und es kam zu Ballstafetten auf beiden Seiten.

Eine „1 mit Sternchen“ verteile ich diesmal an Patrick Meisterjahn, der nicht nur das frühe Führungstor überlegt erzielte, sondern auch viel Abwehrarbeit verrichtete; dazu war wie immer in allen Lagen anspielbar und -willig. Einem zweiten Spieler gilt mein Sonderlob: Jörn Bohn, wobei zu fragen ist, ob es zwei Jörns gibt: einen auf dem Hartplatz und einen auf dem Rasen. Stellt Euch mal folgendes Gefühl vor: Man öffnet nach einem langen, kalten Winter das Fenster und lässt die warme Frühlingssonne herein – so befreit und belebt flog Jörn über den Platz. Zwei Tore geschossen, eins vorbereitet, einen Elfmeter rausgeholt und sehr viele gelungene Dribblings. Kay Rauber, der (nur zur Erinnerung) auch in der nächsten Saison noch A-Jugend spielen wird, hat den allseits gefürchteten Strafraumstürmer Andreas Best entnervt, sodass er nach der Pause im Trainingsanzug an der Seite stand. Aki hat nun in den letzten fünf Matches zehn Mal getroffen, das nenn ich mal eine Quote! Schön auch der Treffer durch den Joker Michi Wagner, einen weiteren Akteur aus dem scheinbar unerschöpflichen A-Jugend-Reservoir des RSV. Und Jo Netsch hat wieder mal alle Flanken gepflückt.

Aber wir wollen uns nicht zu sehr auf die Schultern klopfen und auch anmerken: So deutlich wie auf dem Ergebnis sah das Geschehen nicht immer aus. Oberbiel setzte uns zwischenzeitlich ganz schön unter Druck. Dem 1:2 waren sie sehr nahe. Doch wir waren kühler und konterten besser. 4:0 zur Pause – das gab sogar Applaus.

Dass wir nach Niederlagen wieder aufstehen können, haben wir in dieser Saison gezeigt. Nie unterlagen wir zwei Begegnungen hintereinander. Doch ob wir auch geschickt und clever mit gewonnenen Big Points umgehen werden – das wird die spannende Frage sein, die uns nun auf der Zielgeraden begleitet. Lemp und auch die kommenden Gegner werden uns nicht den roten Teppich ausrollen. Es könnte die schwierigste Aufgabe der Saison 07/08 werden: die Ernte sicher einfahren.

Eine Schlussnotiz: Dass wir nach dem Spiel nicht genügend Bier vorrätig hatten, war doch bloß ein Trick des Getränkediensts. Ein netter, wie ich finde. Denn so konnten wir in (darf ich das Wort aussprechen) Reiskirchen 50 Liter Spontannachschub holen. Und ich hab mich so richtig heimisch gefühlt. Und ich bekam so richtig Appetit auf eine Meisterfeier. Denn, glaubt mir, da schmeckt Schreier-Bier am besten. Ich weiß, wovon ich rede.

21. April 2008: Reine Nervensache


Haben wir jetzt Nerven gezeigt oder haben wir keine Nerven gezeigt? Wir sind uns in Sachen Wortwahl nicht ganz sicher. In der WNZ vom letzten Montag stand nach dem 3:1-Sieg in Altenkirchen in der Schlagzeile: „RSV Büblingshausen zeigt keine Nerven“. Gemeint ist damit, dass wir, der Tabellenführer, das als schwer vermutete Auswärtsspiel schadlos überstanden haben. Aber müsste es dann nicht eher heißen: „RSV Büblingshausen zeigt gute Nerven“? Wenn (so lautet das Gegenbeispiel des Zeitungskritikers Peter F.) ein Spieler in der 90. Minute beim Stand von 0:0 einen Strafstoß ins Tor schießt, sagt man ja anerkennend: „Der Mann hat Nerven!“ Wenn er sich hingegen weigern würde, zum Elfmeterpunkt zu schreiten (so wie Lothar Matthäus im WM-Finale 90), würde man ihm nachsagen, er habe nun mal nicht die Nerven für sowas. Tja, was denn nun? Wir wissen es nicht und wollen Euch, liebe Leser, mit diesen Spitzfindigkeiten auch nicht weiter auf die Nerven fallen.

Jedenfalls haben wir auch beim 2:0 gegen die Reserve aus Naunheim keine Nerven (oder wenn man so will: sehr viel davon) gezeigt. Von einem Triumph würde ich nicht unbedingt sprechen, aber in Gefahr sind wir nie geraten. Der Gegner hatte nicht eine einzige Torchance. Am Strafraum jedoch hat uns die Genauigkeit gefehlt, aber auch Durchschlagskraft und Übersicht. Und wir müssen gestehen: So einen Elfmeter pfeift nicht jeder Schiedsrichter. Schön, dass Jörn Bohn seine sehr aktive Partie mit einem Treffer veredelte, indem er sich nach einem Einwurf den Ball schnappte und rannte, als wären tausend Teufel hinter ihm her, um das Spielgerät am Ziel zu deponieren.

Insgesamt war es aber ein recht leidenschaftsloses Match, und zwar von beiden Seiten. Gegen Oberbiel am Dienstag wird das sicher anders sein. Vor dem starken Sturm unseres Kontrahenten sind wir natürlich gewarnt. Der Tabellenführer trifft in einem Nachholspiel an einem Tag, an dem sonst kein anderes Spiel stattfindet, auf seinen Verfolger – was kann man mehr an Spannung erwarten?

Die Saison geht in die Schlussphase, und wir haben tatsächlich gute Chancen, Meister zu werden. Doch noch sind sieben mal neunzig Minuten zu überstehen, und da kann, wie immer im Fußball, viel passieren. Es wird auch darauf ankommen, ob wir Nerven zeig… Sie wissen, was ich meine. Und noch was: Lieber Gott und liebe Stadt Wetzlar! Lasst das Spiel gegen Naunheim bitte die letzte Hartplatzaktion für diese Saison gewesen sein! Setzt Euch doch mal zusammen und beredet das mal unter vernünftigen Männern!

Drei Worte zur Zweiten: Welch formidabler Hackentrick von Sascha Meier vor dem 1:0. Dass das Ding von der Dachlatt in den Torgiebel fällt, hab ich schon (glaub ich) bei seinem Anlauf gesehen. Und die Art, wie Benny Steinmüller und sein Philippsteiner Gegenspieler an diesem Tag ihre Zweikämpfe ausübten, erinnert mich an Zwölfender, die ihre Geweihe verhaken.

Noch eine Warnung an alle Autofahrer: Ich wurde am Donnerstag nach der Spielersitzung in der Nähe des Vereinsheims von der Polizei angehalten; an dem Gerücht, dass die Wachtmeister einen Tipp aus Volpertshausen erhalten hätten, ist übrigens nichts dran. Wie unklug eigentlich: ausgerechnet den vernünftigsten des Vereins zu kontrollieren. Fragt mich doch einer der Beamten im Peterwagen, welche Drogen ich genommen habe – und nicht mal, ob überhaupt. Der Mann hat vielleicht Nerven.

15. April 2008: Die Nummer 3 trinkt Cola-Bier


Das könnte in der Abrechnung am Ende der Saison ein wichtiger Sieg werden: der Auswärtserfolg auf dem Hartplatz in Altenkirchen. In der Hinrunde hatte uns unser (damaliger) Konkurrent noch mit 4:1 die Hosen ausgezogen. Doch es ist nicht mehr derselbe Gegner, wohl auch, weil einige wichtige Spieler fehlen. Dennoch muss man gegen sie erst mal gewinnen, denn in einigen Situationen war die Qualität dieser Mannschaft in Spuren zu erkennen.

Unser Plus an diesem Tag ist die Chancenverwertung gewesen: Um das Spiel durch drei Tore zu entscheiden, brauchten wir nicht viele gute Möglichkeiten (wobei uns der Schiedsrichter einige Male wegen vermeintlichem Abseits aufhielt). Allenfalls Nummer vier haben wir unkonzentriert vergeben, aber zu dieser Zeit war die Messe schon gesungen. Denn letztlich hat auch unser Gegner höchstens drei Mal für Gefahr gesorgt. Das Spiel lief letztlich wie erwartet (in vielerlei Hinsicht übrigens).

Wen darf ich hervorheben? Markus Niestroj hat uns in seinem ersten Spiel in der Startelf gezeigt, dass auf ihn Verlass ist: tadellos verteidigt – das ist schon mehr als die halbe Miete. Flo Walther hat sich gegenüber den Vorwochen klar gesteigert. Und Aki Laband trifft und trifft.

Ein Dank natürlich an unsere Ultras für ihren Support: „Kein Kommerz – pro hartplatzhelden.de“. Sehr fein, meine Herren! Und die Schmähgesänge in Richtung Gegner („Die Nummer 3 trinkt Cola-Bier“) werden ihre Wirkung auch nicht verfehlt haben.

Nun könnten wir mit den Heimspielen gegen Naunheim und Oberbiel innerhalb von zwei Tagen unsere Führung in der Tabelle ausbauen. Sollten wir 4 oder 6 Punkte holen, sähe die Sache schon ganz gut aus. Doch eins nach dem anderen. Noch ist die Saison lang.


8. April 2008: Erst null dann neun

Kurios! Da schießt man neun Tore in einer Halbzeit und geht mit dem Gefühl vom Platz, dass man viele Torchancen nicht genutzt hat. Recht verstanden: Man kann nicht aus jeder ein Tor machen (sonst würden wir fünf bis acht Klassen höher spielen). Doch im zweiten Durchgang gegen Niederbiel, zu einer Zeit, als das Spiel längst entschieden war, waren wir für einige Szenen verantwortlich, mit der man die Kategorie „Pechvogel des Monats“ bestücken kann. Vielleicht dachten einige von uns aber auch nur: Auf das Rote Kreuz schießt man nicht!

Dennoch haben wir die Gelegenheit wahrgenommen, unser Torverhältnis deutlich zu verbessern und an Erda vorbeizuziehen. Wer weiß, vielleicht entscheidet am Ende ein einziges Tor über Aufstieg oder nicht. Viel mehr gibt eine Spielanalyse nicht her. Bleibt noch, Kay Rauber zu seinem ersten Tor (und seiner tadellosen Abwehrleistung) zu gratulieren – einem Treffer, der den Niederbieler Damm gebrochen hat.

Kurios ist natürlich auch, dass ein Spiel mit einem solchen Ergebnis zur Halbzeit 0:0 stand. Daher verstehe ich nicht ganz, warum sich unser Gegner so gehen ließ. Gut, nach Wiederanpfiff brauchten wir keine zehn Minuten, um das Spiel zu entscheiden. Doch warum sich zerfleddern lassen, wo man doch in den ersten 45 Minuten nahezu gleichwertig gewesen war?

Übrigens, wer das Spiel versäumt hat, kann eine Zusammenfassung am Mittwoch ab 23 Uhr im NDR (Zapp) ansehen. Vielleicht hat die Anwesenheit des Fernsehens die Niederbieler nervös gemacht – das wäre eine medienkritische Erklärung, die nicht so leicht zu widerlegen wäre.
31. März 2008: Erster Sieg seit Anfang Dezember

Endlich wieder mal gewonnen! Der letzte „Dreier“ lag fast vier Monate zurück. Gut, das klingt dramatischer, als es ist; schließlich lag die Winterpause dazwischen. Dennoch war uns das Gefühl abhanden gekommen, als Sieger vom Platz zu gehen. Und dann bin ich auch mal mit einem mageren, minimalistischen 1:0 zufrieden. Zumal die Bedingungen ein flüssiges Spiel erschwert haben: der bissige Schöffengrunder Wind, ein krummer, staubiger Hartplatz bei frühsommerhafter Temperatur, die ständigen Unterbrechungen, weil einer der drei Spielbälle in die Böschung flog oder der Schiedsrichter es fertig brachte, in einem selten fairen Spiel, rund zwanzig Fouls zu erkennen. Geschätzte Nettospielzeit: 40 Minuten. So kann man einen Gegner nur schwer unter Druck setzen.

Dennoch kann diese Leistung natürlich nur der erste Schritt sein, dem noch einige folgen müssen, wenn wir unserem Anspruch gerecht werden wollen. Besonders im Spiel nach vorne, insbesondere beim Spiel ohne Ball, sollten wir uns stark verbessern. Mehr laufen, meine Herren! Aber natürlich nicht nur mehr, sondern am besten in die Freiräume (die wiederum ebenfalls „erlaufen“ werden müssen). Also, eine klare Steigerung wird nötig sein, wenn wir in den nächsten zwei Monaten die Musik in der Liga machen wollen.

Zufrieden dürfen wir auf jeden Fall mit dem Debüt Kay Raubers sein, der in der Innenverteidigung keine Lücke entstehen ließ. Sein A-Jugend-Kollege Patrick Meisterjahn war ballsicher wie (fast) immer. Und unser Torhüter Jo Netsch hat alle Flanken und Freistöße gepflückt, auch die vom Winde verwehten. Und Aki trifft wieder. Unser leichter Abwärtstrend – geschulte Börsianer würden beschönigend von einer Seitwärtsbewegung sprechend – ist gebremst.

10. März 2008: Abwärtstrend


Au Backe, höchste Saisonniederlage und Tabellenführung futsch! Zum ersten Mal seit Mitte Oktober nicht auf Platz 1. Und die Leistung war eines Spitzenreiters nicht würdig. Zwar waren wir bis zum Gegentreffer die bessere Mannschaft, aber danach – also etwa eine Stunde lang – haben wir keine gute Torchance mehr herausgespielt. Und noch enttäuschender: Man hat nicht gesehen, dass dort eine Mannschaft alles tut, um sich im Aufstiegsrennen ihre Konkurrenz vom Hals zu halten.

Die Abwehr stand mal besser, das Mittelfeld spielte mal sicherer und schneller, und im Sturm waren wir auch schon gefährlicher. Bisher hatten wir wenigstens immer ein Tor geschossen; auch diese Serie ist dahin. Keine Frage, bei uns ist momentan der Wurm drin, viele Spieler sind nicht in der Form der Hinrunde, manche sehr weit davon entfernt. Diese wieder zu erreichen, müssen wir uns nun zum Ziel setzen. Allerdings geht das vielleicht nur über den Weg der kleinen Schritte – also Sicherheit erlangen durch die einfachen Dinge im Fußball: Ball erobern, laufen, einfache Pässe schlagen, viel laufen, mal ein Dribbling wagen, sehr viel laufen. Man sollte nun nicht erwarten, dass wir im Spitzenspiel gegen Oberbiel alles auf einmal zum Guten drehen; so schnell geht das im Fußball nicht unbedingt. Aber mehr Einsatz, Biss und Hunger sollten drin sein. Und der Ehrgeiz, Rang 1 zurückzuerobern.

Vielleicht trifft es sich ja ganz gut, dass die Zweite Mannschaft derzeit gut, engagiert und erfolgreich spielt. Die Lücke zur Ersten, die im Herbst mal riesig war, ist deutlich kleiner geworden. Da sollte ein Trainer schon mal überlegen, wie er sich das zu Nutze macht.

2. März 2008: Hinrundenfazit


Wer hätte vor der Saison gedacht, dass wir im Oktober die Tabellenführung übernehmen und bis zur Winterpause nicht mehr abgeben würden? In der Vorsaison waren wir am Ende auf Rang 14 gelandet. Das muss man sich noch mal vor Augen führen, um den Erfolg zu bewerten – und die Erwartung an die Rückrunde zu messen.

Höhepunkte der Hinrunde waren die Spiele in Oberbiel (4:2 nach zweimaligem Rückstand), zwei Mal Hohensolms (3:1 und 2:1) und das 4:0 gegen Leun; das rasante und intensive Spiel gegen Volpertshausen kann man auch dazuzählen, auch wenn es 1:2 verloren ging. Das schönste Tor schoss Peter Flink in Oberbiel – nicht zuletzt, weil es einer schnellen Kombination über mehrere Stationen entstammte. (Über Geschmack ließe sich an dieser Stelle sicher trefflich streiten.) Die schlechteste Leistung zeigten wir im letzten Spiel gegen Schwalbach (1:2); ein Tiefpunkt war der 3:0-Sieg gegen Türkgücü, weniger wegen unserer bescheidenen Leistung, eher wegen des Gegners, der alles tat, um ein Fußballspiel zu verhindern.

Unser Abwehrverhalten – und damit meine ich alle elf Beteiligten – war unser Filetstück. Kein Zufall, dass wir eine Serie von sechs Siegen ohne Gegentor hinbekommen haben. Am Angriff müssen wir – und damit meine ich auch alle elf Beteiligten – noch feilen. Das soll dann auch in der Rückrunde oberstes Ziel sein, ohne dass das eigene Tor wesentlich mehr in Gefahr geraten sollte. Andererseits, auch unser Spiel nach vorne kann so schlecht nicht gewesen sein, denn wir haben in jedem Spiel mindestens ein Tor geschossen.

Hungrig bleiben!

Gewinner in der Hinrunde gab es einige: Aki Laband, einer der Jüngsten, hat sein Versprechen gehalten, oben in der Torjägerliste aufzutauchen. Michael Giani, unser Zweitältester, hat sehr solide und konstant verteidigt und zudem den jungen Spielern hilfreiche Kommandos erteilt. René Scheibe, gerade der Jungend entwachsen, gewann so gut wie jeden Zweikampf. Peter Flink machte oft ordentlich Dampf – in beide Spiel- und in alle Himmelsrichtungen. Ohne Patrick Meisterjahn, den wir anfänglich zu Gunsten seiner Aufgabe als A-Jugend-Kapitän schonten, möchten wir nun gar nicht mehr spielen. Robert Schweizer hat das Vertrauen gerechtfertigt, das ein Trainer in seinen Kapitän setzen muss. Insgesamt jedoch war es eine hervorragende Mannschaftsleistung, die uns nach Oben geführt hat.

Die Frage ist nun: Wie wird es uns an der Spitze ergehen? Und das ist keine Scheinfrage. Erster werden ist nicht schwer, Erster bleiben dafür sehr. Im Gegensatz zum letzten Sommer sind wir nun in der Situation, etwas verlieren zu können. Zudem warten nun auf uns Spiele, in denen mehr auf dem Spiel als in der Vorrunde. Sicher, es geht auch jetzt noch „nur“ um drei Punkte; doch die Möglichkeiten, eine Niederlage wettzumachen, werden naturgemäß gegen Ende der Saison geringer. Deswegen nennt man das dann ja auch „Endspiele“. Mit dieser neuen Aufgabe müssen wir umgehen lernen. Dabei kann das geringe Alter unseres Teams ein Handicap sein. Kann. Muss nicht, wohlgemerkt. Ich hab jedenfalls alles versucht, diese Mahnung in alle Köpfe reinzupflanzen. Und gleichzeitig den Appell, weiter hungrig zu sein. Hungrig auf Erfolg. Hungrig auf den Aufstieg. Wer weiß, wann diese Chance wiederkommt?

Ich zähle auf Eure Unterstützung, liebe RSVler.

16. Dezember 2007: Alle unter Normalform, Niederlage zum Jahresabschluss

An diesem Tag zeigte so gut wie kein Spieler in unserer Elf Normalform; so kann man gegen Schwalbach natürlich nicht gewinnen. Bis zum 0:1 waren wir noch die bessere Mannschaft, doch der Führungstreffer der Gäste brachte uns, warum auch immer, völlig aus dem Konzept. Mit einem 1:1 hätten wir natürlich gut leben können, aber selbst dazu hat es am Ende nicht mehr gereicht. So standen wir nach einem unserer schwächsten Leistungen in dieser Saison in der letzten Begegnung des Jahres 2007 mit leeren Händen da.

Insbesondere im Spiel nach vorne gelang uns so gut wie nichts. Das Mittelfeld fand keine gute Raumaufteilung, von der üblichen Ballsicherheit war nichts zu sehen; die Abwehr wehrte den Ball oft zu kurz ab oder verlor ihn wieder nach gewonnen Zweikämpfen; Stürmer Aki Laband fand keine Unterstützung von hinten. Die raumschaffenden Dribblings des verletzten Peter Flink fehlten uns natürlich, aber von einem einzigen Spieler sollten wir nicht abhängig sein.

Eine Enttäuschung, zumal wir gewusst hatten, dass wir mit einem Dreier unsere Führung hätten ausbauen können. Aber auch sicher ein lehrreicher Fingerzeig, dass wir die Vorbereitung auf die Rückrunde mit allem Fleiß und aller Konzentration angehen müssen, um an der Tabellenspitze zu bleiben. Dennoch bin ich mit dem bisherigen Abschneiden in dieser Runde mehr als zufrieden. Doch dazu mehr in meinem Zwischenfazit, das demnächst an dieser Stelle zu lesen sein wird.


9. Dezember 2007: Herbstmeisterschaft perfekt

N
ach Niederlagen gleich wieder zurück in die Erfolgsspur zu finden, ist oft schwer. Und so waren wir nicht ohne Zweifel nach Hohensolms gefahren, zumal dort in dieser Saison noch niemand gewonnen hatte. Umso erfreulicher, dass uns dieser Auswärtssieg gelungen ist. Den Grundstein legten wir im ersten Durchgang, in dem Patrick Meisterjahn, bester Spieler auf dem Feld, seinen Kollegen Peter Flink und Florian Walther jeweils ein Tor auf dem Tablett servierte. Bei der Vorarbeit zum ersten Tor ließ er gleich zwei Gegenspieler ins Leere laufen und hatte noch das Auge für einen präzisen Grundlinienrückpass.

In der zweiten Halbzeit waren Defensivqualitäten gefragt, und wir können uns auch bei Arthur Zimmermann bedanken, der Joachim Netsch vorzüglich vertrat, dass es bei einem einzigen Gegentor geblieben ist: einem Elfmeter, der von den lebendigen Heimzuschauern herbeigeschrieen wurde. Insbesondere bei einem Kopfball von Spielertrainer Daniel Schäfer nach einem Freistoß reagierte unser Keeper schnell; einen gefährlichen Freistoß konnte er kurz später über die Latte pritschen. Außerdem spielte er bei seinem Debüt sehr konzentriert, aktiv und gab sogar seinen Vorderleuten hilfreiche Kommandos. Allerdings gelang es den Gastgebern, bei aller Überlegenheit im Mittelfeld, auch nicht, klare Torchancen zu erspielen. In keiner Szene geriet unser Sieg in der Schlussphase in Gefahr.

Meinem Gefühl nach ein sehr wichtiger Sieg, auch weil unsere Konkurrenz bestimmt auf weitere Punktverluste unsererseits gewettet, zumindest aber gehofft hatte. Und nun steht auch fest, dass wir als Tabellenführer überwintern, denn so stark unser nächster Gegner, die SG Schwalbach, ist – acht Tore werden sie uns wohl kaum einschenken. Aber der Nikolaus war ja bekanntlich noch die der Osterhase. Und, so viel Spitzfindigkeit muss gestattet sein, Herr Hoeneß: Meisterschaften im Fußball werden, da haben Sie vielleicht noch recht, nicht an Weihnachten entschieden, aber auch nicht an Ostern, sondern – wenn wir uns schon an christlichen Feiertagen orientieren wollen – an Pfingsten. Wer aber in einem halben Jahr oben in der A-Liga Wetzlar stehen wird?


2. Dezember 2007: Tag der Außenseiter


Kein Mensch konnte erwarten, dass wir jedes Spiel gewinnen. Jetzt waren wir mal wieder dran mit dem Verlieren; bei der letzten Niederlage (genauer: bei dem letzten Spiel, das wir nicht gewonnen haben), war es noch 25 Grad warm. Wieder war es unser Nachbar – tabellarisch und geographisch – aus Volpertshausen, der uns bezwang. In einer tempohaften, emotionalen, guten und fairen A-Liga-Partie hatten sie am Ende die drei Punkte in ihrem Sack.

Der Einsatz unserer Mannschaft stimmte, und bis zum Sechzehnmeterraum waren wir die bessere Mannschaft. Doch vor dem Tor fehlte uns die notwendige Genauigkeit, auch unsere Flanken, Freistöße, Ecken und Schüsse waren schon mal schärfer, gefährlicher, besser. Doch am Ende wird man auch sagen dürfen, dass die nötige Fortune auf Seiten der Gäste war: So entstand das 0:1 durch einen verunglückten Schuss, der unfreiwillig zur Torvorlage wurde.

Aber natürlich Glückwunsch an die Gewinner, der SV ist eine Mannschaft, die sicher ein paar Wörtchen im Aufstiegsrennen mitsprechen wird. Ihre Stürmer haben unsere (auch meine) wenigen Fehler sofort bestraft. Und, wer uns zwei Mal schlägt, zählt zu den Favoriten. Übrigens, dass die Sieger ihr Werk so laut und lange besangen, zeigt nur den Status, den der RSV inzwischen in der Liga hat. Ob man das Grinsen im Gesicht des Volpertshäuser Trainers operativ entfernen lassen muss?

Nun steht uns die nächste harte Probe bevor: das Auswärtsspiel auf dem Kunstrasen von Hohensolms. Wer gegen uns gewinnen will, muss, wie Volpertshausen, einen sehr guten Tag erwischen. Gehen wir davon aus, dass die Hohensolmser alles daran setzen werden. Mit diesem Team ist immer zurechnen.

Wenigstens hab ich Sonntagabend im Vereinsheim beim Pokern (selbstverständlich geht unser Einsatz nicht über Bibelstundenkarten hinaus) gewonnen, was mir zuvor noch nie passiert ist. Und das gleich zwei Mal hintereinander. Es war wohl der Tag der Außenseiter.


18. November 2007:
Rückrunde beginnt mit Ausbaustufe II

Es war eins unserer besten Spiele in dieser Saison, das 4:0 gegen die TG Leun – ein Gegner, der uns liegt, weil er den Erfolg vor allem offensiv und über Kurzpasskombinationen sucht. Das kommt unserer Taktik sehr entgegen. Zwar besaßen die Leuner in der ersten Halbzeit mindestens genau so lange den Ball wie wir, doch die besseren Chancen und die größeren Freiräume hatten wir. Nicht zu vergessen das Tor Marke „Brasil“ von Florian Walther, der einen Abpraller per Seitfallzieher zielgenau versenkte. Mit zunehmender Spieldauer lief der Ball dann besonders in der zweiten Halbzeit immer flüssiger in unseren Reihen, und wir kamen folgerichtig zu vielen Strafraumszenen, von denen Arkadius Laband in echter Stürmermanier, Peter Flink durch einen Alleingang und erneut Flo mit sattem Schuss zu drei weiteren Treffern nutzten. Die Leuner gaben sich spätestens nach dem 3:0 auf, kamen aber immerhin kurz vor Abpfiff zur besten, weil einzigen Torchance; doch Joachim Netsch war nicht, wie es vielleicht zu fürchten gewesen wäre, eingefroren und durfte zeigen, welch guter Torhüter er ist. Übrigens, wir sind jetzt bei 590 Minuten ohne Gegentor.

Aus einer sehr guten, weil ausgeglichenen RSV-Mannschaft möchte ich zwei Spieler herausheben: Jörn Bohn, ein laufstarker, schneller, leichtfüßiger und dribbelfähiger Flügelstürmer, konnte in diesem Spiel sehr viel von dem zeigen, wozu er an guten Tagen fähig ist. Und Markus Niestroj kam nach der Pause zu seinem ersten Einsatz in dieser Saison, fügte sich problemlos in die Abwehrkette ein und bereitete sogar per Freistoß ein Tor vor; gut zu wissen, dass es eine gute teaminterne Konkurrenz gibt. Aber eigentlich gilt das Lob der ganzen Mannschaft, die im Moment in bester Verfassung ist.

Den Beginn der Rückrunde (den Auftakt in Leun hatten wir bei 30 Grad 4:1 für uns entschieden) könnte man (eine etwas willkürliche Datierung, zugegeben) als Wegmarke unserer Planung begreifen, und zwar als Aufbaustufe II. In der Hinserie ging es mir, als Trainer, zunächst darum, eine gute Defensive zu organisieren. Da es den meisten Mannschaften gegen uns inzwischen schwerfällt, überhaupt auf unser Tor zu schießen, kann ich nun mein Augenmerk darauf legen, die Offensive zu verfeinern und auch mal einen Abwehrspieler zugunsten eines Mittelfeldspielers oder Angreifers zu „opfern“. Andererseits, wir haben nun in sechzehn Spielen 49 Treffer erzielt – so schlecht ist das nun auch wieder nicht.

Mal sehen, wohin unser Weg führt, die Konkurrenz patzt ja regelmäßig. Allerdings stehen uns im Dezember noch drei schwere Spiele ins Haus: Volpertshausen, Hohensolms und Schwalbach, drei Konkurrenten um den Aufstieg. Wenn wir dann noch oben stehen, werden wir uns um die Favoritenrolle nicht mehr drücken können.

Z
wei Ergänzungen noch: erstens Gratulation an unsere Fans, auf dem Hartplatz kommt anscheinend eher Heimspielstimmung auf als auf dem weitläufigen Rasen; den Schiedsrichter mussten wir ob des beeindruckenden Getöses ja geradezu am Händchen in die Halbzeit begleiten. Zweitens nimmt die Zweite Mannschaft nun gut Fahrt auf. Gegen das wilde Kurdistan unter der Führung von Hadschi Manni Velte gelang bereits der dritte Sieg in Serie (2:0). Das könnte nicht zuletzt daran liegen, dass die Trainingsbeteiligung trotz Novemberwetter derzeit sehr gut ist. So darf’s weitergehen, Reiskirchen kann kommen. Übrigens, ein feines und ein sehr feines Tor von Sebastian „Dachlatt“ Müller. Und keiner hatte die Kamera dabei …

5. November 2007: So wie einst 1988


So schallte es am Sonntagabend beim Destan aus vollen Kehlen: „Die Feuerwehr, die Feuerwehr, die hat die schönsten Bräuche. Die Feuerwehr, die Feuerwehr, die hat die längsten Schläuche.“ Also meine Herren, ein wenig mehr Kultur, bitte! Glaubt nicht, dass ich diese zweideutige Schlüpfrigkeit nicht verstanden hätte! Ich muss wohl in Zukunft stärker auf unser Liedgut und dessen Reinheit achten. Vielleicht sollte ich mal eine Trainingseinheit darauf verwenden, um mit meiner Mannschaft „Am Brunnen vor dem Tore“ einzustudieren …

Gut, es gab ja auch wieder einiges zu feiern: erstens einen 3:0-Sieg in Steindorf; zweitens 500 Minuten ohne Gegentor, das hat es beim RSV zuletzt, wie mir der Vereinsarchivar versichert, Anfang 2001 gegeben; drittens Tabellenführung nicht nur verteidigt, sondern sogar ausgebaut, weil unsere schärfsten Rivalen 1:1 gegeneinander spielten: Volpertshausen und Altenkirchen/Neukirchen.

Steindorf, da ließen wir uns von den Ergebnissen der letzten Wochen nicht täuschen, war der erwartet starke Gegner. Weite Strecken des Spiels verliefen ausgeglichen, die Abwehrreihen hatten meist alles im Griff, und es musste ein Eigentor herhalten, um uns kurz nach Wiederanpfiff die Führung zu verschaffen. Ein paar Minuten später erlebten wir die Entscheidung des Spiels: Der Gegner versäumte es bei seiner einzigen guten Chance, den Ausgleich zu erzielen, und Arkadius Laband gelang auf Flanke des famos spielenden Patrick Meisterjahn die 2:0-Führung, indem er den Ball mit einer solchen Geschwindigkeit ins Steindorfer Netz katapultierte, als wollte er ihn samt Torwart auf den Mond schießen. Lustige Vorstellung, oder? So à la Baron Münchhausen. Leider tat es ihm Robert Schweizer ein paar Minuten später gleich, traf aber den Falschen: Patrick Meisterjahn, den er so mit einer Beule zu Boden streckte und für den das Match damit zu Ende war.

Der Rest war Kampf und Abwehren, immer fair. Hat jemand gesehen, ob der eingewechselte Alexander Flink auch nur einen einzigen Zweikampf verloren hat? Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern. Vielleicht hätten wir noch zielgenauer kontern können, gleichwohl staubte Jörn noch in der Schlussphase einmal ab. Eins noch, im Fußball erlebt man immer Neues: Der Schiedsrichter verlegte einen Freistoß für Steindorf (ich muss es zugeben, ich hatte gemeckert) vom Mittelkreis an die Strafraumgrenze, also um sage und schreibe etwa fünfundzwanzig Meter (!) nach vorne. Immerhin hatte unser Torhüter Jo Netsch so die Gelegenheit, den gut gezirkelten Ball im Plongeon über die Latte zu lenken. Fazit: Das Spiel verlief aus unserer Sicht glücklich, hatte aber den richtigen Sieger.

Unsere Ausgangslage ist hervorragend. Übrigens ist die Frage nun beantwortet, wann der RSV zuletzt Tabellenerster in der A-Liga war. Es war, das haben die Praktikanten des Vereinsarchivs recherchiert, im Herbst 1988 nach einem 3:2 Sieg gegen Dillhausen in der damaligen A-Klasse Wetzlar-Oberlahn. Das wäre also auch geklärt.

Nebenbei, wer ist eigentlich Chef der Büblingshäuser Feuerwehr? Über den und seine mannhaften anatomischen Voraussetzungen habe ich am Sonntagabend ja einiges erfahren. Beneidenswert, was hier angeblich so wächst.


28. Oktober 2007: „Pflichtprogramm“ erfolgreich absolviert


Neun Siege aus den letzten zehn Spielen – so viel können wir die letzten Monate nicht falsch gemacht haben. Außerdem haben wir gegen alle Teams aus der Abstiegszone und dem Mittelfeld, also die halbe Liga, gewonnen. Durch diese Konstanz bei „Pflichtsiegen“, die unsere Konkurrenten nicht aufweisen, haben wir uns nun sogar ein ordentliches Punktepolster auf den Rest der Liga erarbeitet. Wäre da nicht der SV Volpertshausen, der sich hartnäckig an unsere Fersen heftet. Wer hätte das am 12. August bei der 2:3-Niederlage in Volpertshausen gedacht, dass er einem Spitzenspiel beigewohnt hat?

Aber gemach, noch ist ja nicht mal die Hinrunde zu Ende gespielt, und auf uns warten zunächst zwei schwere Aufgaben: das Auswärtsspiel beim TSV Steindorf, das, unabhängig von dem aktuellen Durchhänger der Mannschaft, eins der schwierigsten Spiele der Saison wird, und der Absteiger aus Schwalbach, derzeit auf Rang 3 klassiert. Anschließend beginnt die Rückrunde mit den abwehrstarken Gästen aus Leun, bevor im Dezember die Duelle mit den direkten Rivalen aus Volpertshausen und Hohensolms anstehen. Es heißt also, in die Hände zu spucken! Aber wir müssten in diesen fünf Spielen schon verdammt viel falsch machen (oder/und Pech haben), wenn wir am Jahresende nicht noch sehr gute Aussicht auf einen Aufstiegsrang hätten. Wir müssen ja nicht unbedingt als Tabellenführer überwintern; dagegen wehren tun wir uns natürlich nicht.

D
as Spiel gegen Burgsolms begannen wir äußerst konzentriert, und nicht zum ersten Mal in dieser Saison gingen wir mit dem ersten Angriff durch ein tolles und toll herausgespieltes Tor von Flo Walther in Führung. Die erste Halbzeit hielt nach schönen Kombinationen noch einige Chancen für uns bereit, ein Tor auf leichtere Weise zu erzielen, doch im gegnerischen Strafraum sind wir zurzeit nicht kühl genug. In den zweiten 45 Minuten haben wir etwas nachgelassen, konnten am Ende aber ein klares 3:0 herausspielen. Die Burgsolmser haben, gerade in Anbetracht ihres Tabellenplatzes, einige ballsichere junge Spieler in ihren Reihen. Ich schätze, dass diese Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Außerdem dürfen sie offenbar auf einen beträchtlichen Anhang vertrauen, der in der Lage ist, selbst auf fremden Plätzen die Stimmhoheit zu erringen und auch mal den Schiedsrichter zu beeindrucken. Das war d i e Überraschung des Sonntags: Man sollte meinen, dass das Burgsolmser Publikum verwöhnt wäre, immerhin ist der FC im letzten Jahr sportlich in die Landesliga aufgestiegen. Doch sie haben ordentlich Dampf gemacht.


21. Oktober 2007: Charaktertest statt Fußballspiel


Das war kein Fußballspiel, das war ein Charaktertest, den uns jemand (das Schicksal? Gott? Jupp?) auferlegt hat. Mit dem Schiedsrichter war ich mir nach dem Spiel einig, dass man die Lust an der Sache, nämlich dem Hobby Fußball, verlieren könnte, wenn sich Aufeinandertreffen mit solchen Gegnern wie Türk Gücü Wetzlar nicht auf zwei Mal pro Jahr beschränken würden. Dieses ständige Lamento! Dieses neunzigminütige Klagelied, benachteiligt zu werden – und dabei zu übersehen, dass man mit zwei Feldverweisen noch sehr gut bedient ist! Dieses Gemaule und Gezeter und (in der zweiten Halbzeit auch) Gehacke! Der Abpfiff glich einer Erlösung für alle. Zuschauer inbegriffen.

Ein paar Worte zum Sportlichen: Es sollte uns nicht passieren, dass man dem Tabellenletzten die Chance zum Führungstreffer auflegt. Ist aber nun mal passiert, glücklicherweise ohne Folgen. Auch direkt nach der Halbzeit gerieten wir bei ein paar Angriffen der Gäste in Gefahr. Und ein paar mehr Tore hätten es in Anbetracht der Torchancen auch sein dürfen. Es war also alles andere als eine souveräne Leistung. Andererseits, nach dem 2:0 für uns war es kein Fußballspiel mehr. Die zweite Halbzeit zählte (geschätzte) zwanzig Minuten Nettospielzeit. Der Gegner beschränkte sich auf Theater. Die zu besetzende Rolle: die verfolgte Unschuld.

Das Beste, was ich nach diesem Spiel sagen kann, ist: Ich danke meiner Mannschaft, dass sie die Ruhe bewahrt und alles ertragen hat. Das ist gerade angesichts unseres Altersdurchschnitts keine Selbstverständlichkeit. Solche Spiele können schon mal aus dem Ruder laufen. Wer weiß, was noch alles passiert wäre, wäre das Ergebnis höher ausgefallen? Insofern werte ich die vergebenen Chancen am Ende des Spiels von Flo, Peter, Aki, Tim und Gottweißwem als gelungene Deeskalationsmaßnahme.


14. Oktober 2007:
Sieg, italienisch

A
ls wir am Sonntagabend beim Destan die Übernahme der Tabellenführung gefeiert und besungen („Glück auf, RSV!“, „Auf der Insel Korsika“, „Diese Stadt, die hat tausend Laternen“) haben, haben wir versucht, herauszufinden, wann der RSV zuletzt Spitzenreiter in der A-Liga gewesen war. Resultat: Wir wissen es nicht.

Die entscheidende Frage ist ja auch vielmehr: Wie lange und wie oft wird es der RSV noch sein? Auch das wissen wir natürlich nicht. Aber es geht ja auch nicht darum, dass wir Erster sind. Die erfreuliche Erkenntnis ist die, dass wir aus solchen Spielen wie gegen Dorlar drei Punkte mitnehmen können. Es war sicher eine unserer schwächsten Leistungen; überhaupt ist festzustellen, dass unser Angriffsspiel in letzter Zeit etwas stockt. Doch für ein oder zwei Tore sind wir immer gut, und Mannschaften wie Dorlar und Lemp fällt es schwer, gegen uns überhaupt zu Torchancen zu kommen. Denn unsere Abwehrarbeit fruchtet. Damit meine ich alle Elf (oder, wenn man so will, Vierzehn), doch gestern möchte ich unseren Torhüter Jo Netsch hervorheben, der alle Flanken pflückte, und René Scheibe, der erneut furchtlos alle Zweikämpfe bestritt und mittlerweile auch das Aufbauspiel beherrscht.

So kam es in Dorlar zu einem „italienischen“ Sieg. Fast die ganze erste Halbzeit tat sich nichts in beiden Strafräumen, wir hatten erhebliche Probleme mit dem Boden. Aus dem „Nichts“ gelang Flo Walther der Führungstreffer, als er einen Freistoß vom Strafraumeck überraschend direkt ins Tor schoss. Die zweite Halbzeit hielt etwa ein halbes Dutzend gute Torchancen für uns bereit, die wir jedoch nicht nutzen konnten. Dem Gegner jedoch gestatteten wir keine nennenswerte Gelegenheit zum Ausgleich. Und wie heißt die alte Fußballregel? Wer solche Spiele gewinnt … Na ja, warten wir’s ab!

N
un wird es am Sonntag zum Duell Erster gegen Letzter kommen; und eine Woche später erwarten wir die Burgsolmser, die ebenfalls um den Klassenerhalt bangen und kämpfen. In diesen beiden Spielen haben wir mehr zu verlieren als zu gewinnen. Ich bin gespannt, wie wir damit umgehen, dass alle Welt einen klaren Sieg von uns erwartet – und mit dem Wissen darum, dass ein Ausrutscher Hohn und Freude bei der Konkurrenz entfachen würde. Dazu wollen wir ihr freilich keinen Grund liefern. Mit der nötigen Geduld und Konzentration werden wir die Hürden überspringen, doch sollten wir nach vorne wieder präziser, zielstrebiger und schneller handeln.


7. Oktober 2007: Arbeitssieg gegen Schwäne

L
emp muss man eine gute Leistung bescheinigen, sie sind deutlich stärker als ihre Tabellennachbarn Niederbiel und Naunheim und haben uns zu einem Geduldsspiel gezwungen. Da wir vor dem gegnerischen Tor zu unkonzentriert und glücklos waren, haben wir jeweils erst am Ende beider Halbzeiten unser Tor geschossen und mussten uns auf unsere Abwehrarbeit und unseren Torhüter verlassen, um die drei Punkte einzufahren. So was nennt man in Branche Arbeitssieg.


30. September: Starker Beginn, schwacher Mittelabschnitt, gutes Ende


Es ist schon erstaunlich: Im vierten Spiel hintereinander gelang uns mit der ersten Aktion ein Treffer. Man kann der Mannschaft also nicht vorwerfen, dass sie ihre Aufgabe verschlafe. Das 2:0, fünfundzwanzig Minuten später, entsprang wie der Führungstreffer einem Angriff über den Flügel, nachdem sich ein Verteidiger eingeschaltet hatte. Beide Tore schoss Arkadius Laband, der wieder an seine Form des Sommers anknüpft, nachdem er zwischenzeitlich drei Wochen außer Gefecht gewesen war. Sehr gut gefielen mir zudem René Scheibe, der immer richtig stand und jeden Zweikampf gewann, Michael Giani, der viel für das Spiel nach vorne tat, sowie Patrick Meisterjahn, der unserem Spiel in der zweiten Halbzeit mehr Ordnung schenkte – und das obwohl er keine 24 Stunden zuvor mit der A-Jugend einen Sieg in Aßlar erkämpfte.

Was zudem gut war: Gegen Ende des Spiels konnten wir unsere konditionelle Überlegenheit in einige schöne Kombinationen und (manchmal auch) Tore ummünzen, auch wenn ich zugeben muss, dass sich der Widerstand unseres Kontrahenten in Grenzen hielt. Und: Naunheim kam in neunzig Minuten nicht ein Mal dazu, im Strafraum zu schießen.

Was schlecht war: Es gab eine lange Phase vor und nach der Halbzeit in der uns viel misslang: Ballverluste im Mittelfeld; zu wenig nachgerückt, um Gefahr vor dem Tor des Gegners zu verbreiten; zu passiv, so dass Naunheim wieder den Glauben an eine Siegchance entwickeln konnte. Das hing nur bedingt damit zusammen, dass sich David Kierok und Peter Flink schon in der ersten Halbzeit verletzten und wir früh wechseln mussten.

Fazit: Ich bin froh, dass wir nach der Niederlage gegen Altenkirchen wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden haben. Und 6:1 in einem Auswärtsspiel ist ja auch kein Ergebnis, für das man sich schämen müsste. Man sollte unserer jungen Mannschaft Fehler, Leerlaufphasen und Formschwankungen, auch innerhalb eines Spiels, nachsehen. Unsere Abwehrarbeit (und damit sind alle Elf gemeint) klappt gut, manchmal sehr gut. Das ist die Grundlage unseres Spiels. Am Angriffs- und Konterspiel müssen wir aber noch feilen. Oft schalten sich Mittelfeld- und Abwehrspieler nicht ein, was aber nötig wäre; manchmal sind die Pässe zu unpräzise; gelegentlich brauchen wir zu lange um umzuschalten. Die Zukunft wird zeigen, ob wir ein Team für Platz 4 bis 6 sind oder ob wir die Tabellenspitze attackieren (und halten?) können. Dazu müssen wir uns noch steigern. Aber es ist ja noch Zeit …


23. September: Erste und bittere Heimniederlage


Puh, das tat weh! 1:4 im Heimspiel gegen den Spitzenreiter Altenkirchen/Neukirchen. Aber nicht nur das Ergebnis, auch unsere Leistung war enttäuschend. Im Gegensatz zu unserem Gegner, der den Sieg an diesem Tag mehr wollte und nun zum achten Mal hintereinander gewonnen hat, konnte so gut wie keiner von uns an seine Bestform heranreichen – so kann man natürlich kein Spitzenspiel gewinnen. Dabei hatten wir uns so viel vorgenommen und mit den Sprung auf Platz 1 geliebäugelt.

Dabei fing alles so gut an: Gleich der erste Angriff führte zu einem sehenswerten Treffer durch eine Kombination von Michael Mutz, Peter Flink und Robert Schweizer, der kühl abschloss. Leider war es unsere beste Aktion im ganzen Spiel. Verleitete uns dieses frühe Erfolgserlebnis zu Passivität und einem Übermaß an Sicherheit? Vielleicht dachten wir, es ginge so weiter wie in den letzten zwei Spielen, als wir bereits nach jeweils einer Viertelstunde das Spiel für uns vorentschieden hatten. Eine bessere Erklärung habe ich für unseren zögerlichen Auftritt auch nicht. Ein bisschen Pech, wie beim Ausgleich durch ein Eigentor, kam hinzu. Doch es war nicht zu übersehen, dass wir bis etwa zur 75. Minute brauchten, um die gegnerische Abwehr unter Druck zu setzen. Zu spät – und dann auch zu ungenau. Wollen wir mal hoffen, dass unsere beiden abwesenden Stürmer Tim Nowak und Jörn Bohn bald wieder zu uns stoßen!

Dennoch ziehe ich zufrieden ein Zwischenfazit: Nach mehr als einem Viertel der Saison haben wir uns in der Spitzengruppe etabliert – in der Spitzengruppe, die zugegebenermaßen recht groß ist. Den Tabellenneunten trennen vom Spitzenplatz gerade mal (effektive) 4 Punkte. Wer aus diesem Rudel Favorit für den Aufstieg ist, vermag ich nicht zu sagen. Das Spieljahr 2007/08 könnte sich zu einer eminent spannenden Angelegenheit entwickeln. Umso schöner, wenn wir dranbleiben würden. Da sollte uns diese Niederlage, so bitter sie sich im ersten Moment anfühlt, nicht umwerfen.


16. September: Sonntagsspaziergang in Niederbiel


DasSpiel war schnell entschieden, denn gerade in der ersten Halbzeit waren wir, ohne an unsere Grenzen gehen zu müssen, mindestens eine Klasse besser. Die Folge war eine 4:0-beruhigende Halbzeitführung – zu beruhigend für manche von uns. In den zweiten 45 Minuten ließen wir nämlich enttäuschenderweise den Torhunger vermissen, zogen stattdessen, wohl um dem Wochentag gerecht zu werden, einen Spaziergang vor. Auch wenn man die Umstände bedenkt – 1. wegen Krankheit mussten wir Tim Nowak auswechseln, den letzten unserer drei Stürmer, 2. die Niederbieler beschränkten sich darauf, das Ergebnis verträglich zu halten und übten sich im Zeitspiel, 3. der Schiedsrichter pfiff aus Mitleid ein paar mal Abseits gegen uns und 4. zwei weitere Spieler in unserem Dress waren angeschlagen (auch wenn sie kein Attest vom Hausarzt vorweisen konnten) –, also wenn man all diese Umstände bedenkt, so hätten wir doch mehr Tore schießen sollen als Michael Gianis Elfmeter, den uns der bullige, grimmige und leicht cholerische Niederbieler Tormann schenkte. (Hinterm Tresen später erwies er sich übrigens als ganz angenehmer Typ.)

Ein Lob will ich mal Sebastian Lenz aussprechen, der bislang eine gute Saison spielt. Er steht fast immer richtig, nämlich dort, wo die Gefahr ist oder sein wird; er gewinnt viele Zweikämpfe und Kopfballduelle – und das auf faire Weise; er ist am Ball und im Spielaufbau besser geworden; nicht zuletzt hat „Harald“ sogar schon zwei Tore geschossen. Auch in Niederbiel agierte er solide und unaufgeregt. Anerkennung auch für Tim Nowak, dem in dieser Saison das Glück noch nicht zur Seite stand: erst verletzt, dann krank. Am Sonntag hat die Kraft zwar nicht zu einer famosen Leistung gereicht, doch war er an drei Toren direkt beteiligt – das ist keine schlechte Quote für eine Halbzeit. Wie wäre das Spiel ohne ihn ausgegangen?

Nun steht uns also das Match gegen Altenkirchen/Neukirchen ins Haus. Das Team steht sicher zur Überraschung vieler an Platz 1, doch wer in neun Spielen fast 40 Tore schießt, wird nicht gerade mit gebückter Haltung auflaufen. Freuen wir uns auf eine spannende Aufgabe! Gibt es eine angenehmere als den Kampf um die Tabellenführung? Was gibt es schöneres als Spitzenspiele? Wann hat das letzte in Büblingshausen stattgefunden?


9. September 2007: Ein Spiel wie die Dire Straits


W
enn ich unser Spiel gegen Quembach mit einer Musikband vergleichen müsste, dann wären es die Dire Straits: makellose Leistung, die aber keinen vom Hocker reißt; taktisch anspruchsvoll, aber ohne Emotionen; gepflegte Langeweile eben. Da das Spiel bereits nach einer Viertelstunde durch drei Tore vorentschieden war und der Gegner in unserer Strafraumnähe aber sowas von überhaupt keiner Gefahr verbreitete, haben wir den Schongang eingelegt. Vielleicht hat das Team auch nur mein Ziel vor dem Spiel („Ein knapper Sieg würde mich schon glücklich machen“) nicht allzu sehr überbieten wollen.

Auch wenn man uns für dieses Spiel nicht loben muss – doch bin ich sehr zufrieden, wie sicher meine Mannschaft das neue System beherrscht. So kommt es, dass wir spielstarke Mannschaften wie Hohensolms, Erda oder Leun kaum entfalten lassen und dass wir Quembach, immerhin ein Team aus dem Tabellenmittelfeld, selbst mit einer durchschnittlichen Tagesform und ohne unsere zwei Mittelstürmer Arkadius Laband und Tim Nowak 90 Minuten in Schach halten und leicht und locker 5:1 besiegen. Die Gäste hatten keine Chance, ihr Ehrentor resultierte eher aus einem Zufall und aus unserer Schwäche bei Freistößen. Beste Spieler auf unserer Seite waren erstens Flo Walther, der nicht nur an vielen Toren und Chance beteiligt war, sondern auch einige gute Pässe aus dem Mittelfeld spielte und überhaupt viel aktiver ist als noch vor einem halben Jahr. Zweitens hat Michael Giani ein fehlerfreies Match gezeigt; überhaupt ist es bisher eine sehr gute Saison für ihn.

Inzwischen ist die Tabellenspitze nicht mehr fern, wir sind der einzige Klub, der höchstens ein Mal verloren hat. Vor uns stehen vier Mannschaften, die alle nicht nur zwei Punkte, sondern auch ein Spiel mehr auf dem Konto haben; gegen drei von ihnen haben wir übrigens schon gespielt und allesamt besiegt. Mit uns ist zu rechnen, die Außenseiterrolle nimmt uns nun keiner mehr ab.

2.September 2007: Tabellenführer gestürzt

A
m Sonntag waren wir eine Mannschaft ohne Schwäche. Und mit einer hervorragend besetzten Bank. Welcher A-Ligist kann schon auf Ersatzspieler wie Jörn Bohn, Tim Nowak und Patrick Meisterjahn zurückgreifen? Was das wert ist, hat sich am Ende gezeigt (und natürlich auch unser Geist und unsere Ausdauer). Erneut haben wir einen Rückstand, diesmal sogar einen zweimaligen, in einen Sieg umgebogen. Gerade Jörn, der diese Saison wegen einer Verletzung gerade auf drei Trainingseinheiten kommt, war mit einem Tor und einer Torvorlage maßgeblich an der Wende beteiligt. Ferner gefielen mir die stellungssicheren, zweikampfstarken und foulfreien (!) David Kierok und René Scheibe diesmal besonders gut.

Und da ist noch Peter Flink, auf den wir schon lange zu verzichten glauben mussten; schließlich wurde bei ihm letzte Woche ein Bänderriss im Sprunggelenk attestiert. Doch nach einer Wunderheilung und dank eines fachmännisch angelegten Tape-Verbands spielte er, als wäre nichts gewesen. Er ist ja auch nicht aus unserer Mitte wegzudenken. Seine erste Aktion ging diesmal allerdings kurios und pechvogelhaft nach hinten los: Ein Querschläger aus unbedrängter und gefahrloser Position landete zur Verdutzung aller beim gegnerischen Stürmer, der sich mit dem Führungstreffer bedankte. Und was macht Peter in einer solchen Situation? Lässt er den Kopf hängen? Verliert er mit seinen neunzehn Jahren die Sicherheit in seinem Spiel? Nein, dieser Teufelskerl erzielt kurz darauf einfach den Ausgleich, nachdem er Oberbiels Keeper ausgespielt hat. Mannhaftes Spiel, nenn ich das! Gute Leute braucht man eben.

Oberbiel war, wie für einen Tabellenführer nicht anders zu erwarten, ein schwerer Gegner – spieltechnisch sogar besser als vermutet. In ihren Reihen stehen einige Spieler, die schon in höheren Ligen gespielt haben; dementsprechend selbstbewusst und ballsicher traten sie auf. Doch eine richtig gute Torchance konnten sie sich nicht erspielen. Das 2:1 fiel nach einer abgewehrten Ecke. Freilich würden wir gerne auch mal „zu 0“ spielen. Doch Sieg ist Sieg.

Nun wartet auf uns eine Reihe von Mannschaften, die bereits jetzt schon deutlich hinter uns platziert sind. Doch das sind bekanntlich manchmal die schwereren Spiele. Erwarten wir also bitte keine klaren Verhältnisse, auch gegen die Kleinen kann man in Rückstand geraten und darf nicht die Geduld verlieren, wenn es mal nicht so läuft und man mit einem 0:0 oder gar schlechter in die Pause geht. Aber eins dürfte klar sein: So einseitig wie vor einem Vierteljahr die Partie in Quembach (ein gnädiges 2:5 im letzten Saisonspiel) wird die Sache auf keinen Fall aussehen – zumindest nicht zu unseren Ungunsten.


26.August 2007: Laband der Matchwinner

D
iese Siege sind nicht die schönsten, aber die wertvollsten. Wir haben viele Fehler gemacht, speziell im Spiel nach vorne, ganz speziell vor dem Tor, wo wir viele Chancen liegen ließen. Wir haben die Überzahl nicht genutzt und in dieser Phase sogar einen Gegentreffer hinnehmen müssen. Wir haben die Schwachstelle des Gegners – ab der 45. Minute spielte ein Feldspieler im Tor – lange nicht geprüft. Und dennoch haben wir das Spiel in letzter Minute umgebogen. Für den Mannschaftsgeist können solche Erlebnisse sehr wichtig sein. Beste Spieler waren Arkadius Laband, der sich seine zwei Tore erarbeitet hat, und Robert Schweizer, der in der entscheidenden Phase viel und viel gutes getan hat. Gratulieren darf man zudem Patrick Meisterjahn zu seinem ersten Spiel von Beginn an – auch wenn es mit dem Platzverweis etwas unrühmlich endete.

Doch hoffentlich zahlen wir nicht einen hohen Preis für die drei Punkte: Peter Flink musste mit einem dicken Knöchel ausgewechselt werden. Auch hat sich unser zweiter Torhüter Markus Schetzkens beim Reservespiel verletzt und wird wohl länger ausfallen.

Ich kann nach fünf Spielen sehr zufrieden ein Zwischenfazit ziehen: Unsere junge Mannschaft hat sich gegen starke Gegner bewährt. 10 Punkte sind aller Ehren wert, wenn man bedenkt, dass wir noch gegen keine der Mannschaften aus dem letzten Tabellendrittel gespielt haben. Vielleicht ist Volpertshausen, unser einziger Bezwinger, doch nicht so mittelmäßig, wie viele Beobachter das gemeint haben? Und die Lauerstellung auf Platz 6 behagt mir ganz hervorragend. Daher ein großes Lob an das Team, das bisher sehr diszipliniert und willig bei der Sache ist. Am Sonntag geht’s zum Tabellenführer nach Oberbiel, es wartet also wieder eine Gelegenheit, sich auszuzeichnen.


23.August 2007: Durchschnittsleistung führt zum Remis beim Tabellenführer

E
ine durchschnittliche Leistung des ganzen Teams – ohne Schwachstellen, aber auch ohne herausragenden Spieler. Immerhin genügte es zu einem Unentschieden beim Tabellenführer, der bisher seine drei Spiele gewonnen hatte. Wir konnten leider den günstigen Spielverlauf nicht nutzen, denn eigentlich hätte das Führungstor durch Flo Walther, das mit unserem ersten Angriff fiel, uns in die Karten spielen müssen. Doch versäumten wir es, ein paar gute Konterchancen zum 2:0 zu verwerten.

In der zweiten Halbzeit hat sich Ehringshausen den Ausgleichstreffer redlich verdient und war sogar dem Siegtreffer näher als wir. Allerdings hätte der eingewechselte Carsten Fischer in der Nachspielzeit das Spiel zu unserer Gunst entscheiden können. Aber es hat nicht sollen sein.

Ein Problem haben wir derzeit im Angriff. Aki Laband war durch eine Krankheit geschwächt, und weil Tim wohl noch eine Woche ausfallen wird, fehlen mir die Handlungsoptionen. Aber es gibt eine gute Nachricht, Jörn Bohn, der beste Torschütze der Vorsaison, greift wieder ins Geschehen ein; das könnte unseren Sturm beflügeln.


20. August 2007: Das erste Heimspiel gewonnen

Es war ein gutes A-Liga-Spiel, besonders spieltechnisch hatten beide Teams mehr zu bieten als der Durchschnitt. Dass wir am Ende die Nase vorne hatten, lag auch daran, dass wir, im Gegensatz zum Gegner, keinen Schwachpunkt in der Elf hatten – und durch zwei Einwechslungen, Michael Mutz und Patrick Meisterjahn, sogar noch stärker wurden.

In der ersten Halbzeit hatten wir leichte Vorteile, allerdings auch ein wenig Glück, dass der Schiedsrichter einen aussichtsreichen Angriff der Hohensolmser durch einen umstrittenen Abseitspfiff unterband; es wäre wohl die Führung der Gäste gewesen. Wie stark sie sind und wie schnell sie spielen können, haben sie beim Anschlusstreffer direkt nach dem 2:0 bewiesen – dem einzigen Moment im Spiel, als wir, wohl aus Euphorie über die vermeintliche Entscheidung, unsere Ordnung verloren.

Was wir noch besser machen können: erstens die Schwächen des Gegners besser nutzen. Etwa hätten wir durch besseres Flügelspiel in der ersten Halbzeit beide schwachen Außenverteidiger noch mehr in Verlegenheit bringen können. Zweitens hätten wir in den zweiten 45 Minuten unsere Konter genauer ausführen und abschließen können. Recht verstanden, mit einem 3:1 gegen Hohensolms bin ich glücklich. Dieses Team wird weit oben landen, wer hält die Wette? Spielertrainer Daniel Schäfer (ehemals Waldgirmes und Burgsolms, als die noch gut waren), der wegen einer Verletzung noch nicht in Topform ist, gehört zu den besten fünf Spielern in der A-Liga Wetzlar. Und auch zu den fairsten, wenn ich das mal bemerken darf.

Beste Spieler auf unserer Seite: Sebastian Lenz, Michael Giani und René Scheibe – alle mindestens eine Klasse besser als in der Vorwoche bei der Niederlage in Volpertshausen. Was sonst noch aus diesem Spiel zu lernen ist, schließen wir aus einem Statement unseres Kapitäns: „Ich bin mit meiner Leistung heute nicht zufrieden“, sagte mir Robert Schweizer unter der Dusche. Man muss also nicht gut spielen, um mit zwei Toren das Spiel zu entscheiden.


13. August 2007: 1. Niederlage


Gestern hat es uns erwischt! Nach tollen Ergebnissen in der Vorbereitung und einem feinen Auftakt in Leun haben wir in Volpertshausen die erste Niederlage (2:3) verschmerzen müssen. Unsere Gratulation gilt dem verdienten Sieger, der zum ersten die besseren Einzelspieler auf dem Feld hatte und zum zweiten die bessere Tagesform erwischte.

Sicher, die ersten zwei Tore fielen aus Freistößen aus etwa 30 Metern Distanz, also nicht gerade aus Situationen, die man zwingend nennt. Doch können wir froh sein, dass der Gegner seine Überlegenheit bei Standards nicht noch zum vierten oder fünften Tor genutzt hat. So kam es, dass wir den 0:3-Rückstand fast sogar noch ausgeglichen hätten, doch die letzte Chance von Aki in der Nachspielzeit endete in den Armen des Volpertshäuser Keepers.

Es lief bisher alles sehr glatt in dieser Saison – zu glatt. Mit einer solchen Niederlage war zu rechnen gewesen, und sie wirft uns auch nicht um. Klar ist, dass wir unserer jungen Mannschaft Rückschläge zugestehen müssen und den Lernprozess einer Niederlage. An diesem Tag hat leider keiner von uns die Normalform erreicht. Zwei zuversichtlich stimmende Erkenntnisse: An der Moral und an der Ausdauer scheint es nicht zu liegen beim RSV der Saison 07/08.


6. August 2007: Auftaktsieg


Der Start ist gelungen! Mit dem 4:1 bei der hoch gehandelten TG Leun haben wir den Rückenwind, den wir uns in den Testspielen der Vorbereitungsphase entfacht haben, in die Saison mitgenommen. Gleich der erste Angriff hat uns die Führung gebracht. Allerdings haben wir im Anschluss etwas unsere Linie verloren und konnten uns bei unserem Torwart und auch ein wenig beim Spielglück bedanken, dass wir das 1:0 in die Pause retten konnten. Nach dem Seitenwechsel aber haben wir unsere Konter besser setzen können, auch hatten wir bei der Hitze die größeren Reserven. Beste Spieler an diesem Tag: Peter, Arkadius und Jo.

Mit diesem Auftaktsieg haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt. Dabei hatte die Gefahr bestanden, dass wir uns nach einer Niederlage in Leun hätten fragen und auch von unserer Konkurrenz vorhalten lassen müssen, was die Siege im Juli gegen Nauborn (Bezirksliga, also eine Klasse höher), Waldsolms (Bezirksliga), Münchholzhausen (Bezirksliga) und Großen-Linden (Bezirksoberliga) wert gewesen sind.

Der Ausgang der A-Liga Süd ist in diesem Jahr schwer vorauszusagen. Nach der erneuten Ligareform spielen unter 17 Mannschaften 8 Aufsteiger und 3 Absteiger. Das Klassement besteht also zu zwei Dritteln aus neuen Teams. Meine Favoriten sind der SV Hohensolms mit dem ehemaligen Oberligaspieler Daniel Schäfer als Spielertrainer, der Absteiger SG Schwalbach und mein Ex-Klub TSV Steindorf, der auch gleich mit 8:1 Türkgücü Wetzlar den Tarif bekanntgegeben hat. Unser Ziel ist es, besser zu sein als im letzten Jahr, als wir im hinteren Mittelfeld landeten. Mal sehen, es wird sich erst nicht herausstellen, wen ich jetzt übersehen habe. Am Donnerstag geht’s weiter mit einem Wochenspieltag, doch der RSV hat spielfrei.

Eine allgemeine Beobachtung: Ich hab mir am Wochenende ein paar Spiele der Konkurrenz angesehen, etwa in Schwalbach und Volpertshausen. Überall bestes Wetter, viele Zuschauer, gute Stimmung, ein Haufen Tore. Und viele ehemalige und aktuelle Weggefährten getroffen. Ach, ist das eine schöne Welt, der Wetzlarer Kreisligafußball! Er ist mir ein Stückchen Heimat. Ach was, ein Stückchen – ein großes Stück!

 
 
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