Land- und Oberlandesgericht Stuttgart haben dem Württembergischen Fußball-Verband entsprochen, der gegen uns auf Unterlassung klagt. Danach dürfen wir keine Videos mehr von Wettbewerbsspielen aus dessen Region zeigen. Wir Hartplatzhelden fügen uns nicht, wir gehen in Revision vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Gründe und Hintergründe:
1. Wir glauben, dass wir im Recht sind. Der Fußball gehört nicht den Verbänden, sondern denjenigen, die ihn spielen. Fußballspiele werden nicht von Verbänden organisiert, sondern von Vereinen. Die Filme, die wir zeigen, gehören nicht den Verbändern, sondern Privatleuten. Daraus folgt: Wir übernehmen keine Leistungen des Verbands. Schon gar nicht auf unlautere Weise, wie man uns vorwirft. Wir sind gegen die Urteile, weil führende Rechtsexperten, gelinde gesagt, mit dem Kopf schütteln, wenn sie die Begründungen lesen.
2. Ich habe in den letzten vier Wochen mit vielen Leuten aus Vereinen gesprochen. Niemand aus den Vereinen hat an unserem Portal etwas auszusetzen. Niemand aus den Vereinen fühlt sich ausgebeutet. Niemand aus den Vereinen hat den Eindruck, dass wir Vereinen etwas wegnehmen. Niemand aus den Vereinen meint, dass man ihn vor uns schützen müsste – wie DFB-Spitzenfunktionäre behaupten. Das ist keine neue Erkenntnis für mich, denn ich bin seit über dreißig Jahren Vereinsfußballer. Die Idee zu dieser Seite ist in einer Umkleidekabine in Begleitung von vierundzwanzig 0,33-Sportkameraden entstanden.
3. Ja, DFB und DFL! Das Kartellamt hat eine seltsame Entscheidung getroffen, die die Vermarktung des Profifußballs erschwert. Aber man darf diesen Konflikt nicht auf dem Rücken der Amateure austragen. Dass der neue Grundlagenvertrag auf dem DFB-Bundestag am 24. April einstimmig (bei einer Enthaltung) angenommen worden ist, ist eine Schande. Für ein paar Penunzen verrät man die Basis und lässt Vereine, die das offenkundig hart treffen wird, zugrunde gehen. Wir sind auch gegen die Urteile, weil man uns damit die Chance nehmen will, dem Fußball an jener Stelle zu helfen, an dem er Hilfe braucht. Was hat denn der WFV gegen die Bundesliga-Sonntagsspiele unternommen?
4. Die Hartplatzhelden möchten die Vereine unterstützen. Daher werden wir ab sofort mindestens 50 Prozent aller Gewinne an diejenigen Fußballvereine abzutreten, die bei uns mitmachen. Bislang hatten wir keine Gewinne, es ist also ein Versprechen für die Zukunft. Ab sofort suchen wir offen Sponsoren, die ein Herz für die Fußballbasis haben. Wer die Hartplatzhelden unterstützt, unterstützt den Amateur- und Jugendfußball. Näheres dazu in Kürze.
5. Wir haben prominente Unterstützer motiviert, die den Amateurfußball ernst genommen haben. Ohne uns gäbe es gar nicht den Blick der Profis auf die Kreisklasse. Der DFB, der uns zunächst unterstützt hat, versucht nun, Jury-Mitglieder davon abzubringen, bei den Hartplatzhelden mitzumachen. Wir suchen ab sofort mündige Fußballer, die ein Herz für den Amateurfußball haben, und unserer Jury beitreten.
6. Wer sagt denn, dass der Verband sein Versprechen hält, nie einem Verein zu untersagen, Videos von seinen Spielen zu zeigen? Faktisch will er es ja schon jetzt verbieten, denn wir haben ja seit zweieinhalb Jahren ein tolles Angebot an die Vereine: Sie können die Videos bei uns hochladen und dann über den Quellcode auf ihrer Website einbinden. Alles kostenlos. Es kann nicht jeder von der Basis ein Portal aufbauen, wenn er Videos zeigen will. Jeder kann aber davon profitieren, wenn es Spezial-Portale wie unseres gibt. Auf YouTube gehen die Bilder unter. Bei uns werden sie gepflegt. Wir kämpfen auch für all die Leute, die privat Fußballspiele filmen und die sich über ein Monopol nicht freuen dürften.
7. Wir wollen den Amateurfußball verbreiten. Und mit ihm neue Wege gehen. Keine schöne Vorstellung, liebe Hartplatzhelden, wieder jeden Sonntag 100, 300 oder 500 Zuschauer zu zählen? Es ist nicht unmöglich, doch man muss was dafür tun. Internet und Videos sind die Zukunft.
8. Wir haben einen Monat lang Spenden gesammelt. Vielen Dank für die zahlreiche Unterstützung. Noch ist es aber nicht die angestrebte Summe, daher werden wir weitersammeln – und zwar bis im besten Falle die kompletten Prozesskosten zusammen sind. Es bleibt dabei: Die Spenden sind ausschließlich Prozesskostenunterstützung. Das, was wir nicht brauchen, geben wir an die Spender zurück. Oder lassen es einem guten Zweck zukommen. Am Ende der Aktion wird das an dieser Stelle transparent dargestellt und von einer unabhängigen Institution beglaubigt. Hier kann man spenden.
Interview mit Reiner Grundmann, dem 1. Vorsitzenden des Gelsenkirchener Kreisligisten SC Schaffrath und Initiator des Protests gegen den neuen Bundesliga-Spielplan // Ort: Düsseldorf, Congess Centrum // Datum: 24. April // Anlass: Außerordentlicher DFB-Bundestag // Fragen: OF
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9. Wer weiß, ob ein Verbot beim Fußball bleiben würde? Was ist denn, wenn jemand das Feuerwerk des Hamburger Doms filmt? Wird die Stadt Hamburg demjenigen verbieten können, den Clip auf YouTube hochzuladen?
10. Wir kämpfen auch für das Internet, das in vielen Köpfen, Gerichten und Medien Deutschlands ein Schmuddelkind-Image hat. Die bisherigen Urteilsbegründungen durchzieht ein Internet-skeptischer Ton. Einer Zeitung oder einem Fernsehsender hätte man diesen Prozess nicht gemacht. Doch auch für andere Medien könnte das Urteil Folgen haben. In fünf oder zehn Jahren wird es selbstverständlich sein, dass Lokalzeitungen auf Bewegtbilder aus dem Sport bauen. Zumindest die, die überleben wollen.
11. Wenn jemand verwerflich findet, dass wir mit Werbung eine Redaktion aufbauen wollen, dann können wir daran nichts ändern. Dann muss derjenige aber auch jede Lokalzeitung verwerflich finden, die über Amateurfußball berichtet, denn die verdient damit auch Geld. Wir machen prinzipiell nichts anderes. Denkt nur mal daran, dass Zeitungen auch von der Zuarbeit der Vereine leben. Oder welche Redaktion schickt zu jedem Kreisliga-Spiel einen Journalisten?
12. Der Verband hat Angst vor dem Wettbewerb, wir nicht. Wir sind für Wettbewerb. Wettbewerb ist gut für alle. Alles, was wir wollen, ist: auf dem Marktplatz der Ideen konkurrieren. Wer das nicht versteht, versteht nicht, worum es hier geht. Wir sind zuversichtlich, dass wir das bessere Angebot haben werden, weil wir mit viel Enthusiasmus an die Sache gehen. Wir verstehen uns als Journalisten, als Medium, als Verleger. Der Amateurfußball ist ein Berichtgegenstand, den man nicht alleine den Verbänden überlassen darf. Lokalredaktionen Deutschlands, aufgewacht! Hier ein Video einer Power Userin über einen fatalen Justizirrtum. Auch Hobbyfilmer können nicht an einem Monopol interessiert sein.
13. Letztlich wird der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheiden, vermutlich nicht vor 2010. Und dann haben alle, die Verbände und wir, Rechtssicherheit. Wir sind in einem Rechtsstreit mit dem DFB (mit dem WFV, um genau zu sein). In einem Rechtsstreit, nicht in einem Krieg. Wir streiten in der Sache, nicht persönlich. Wir verlassen uns dabei auf die Beteuerung Theo Zwanzigers, dass der DFB „selbstverständlich eine demokratische Organisation“ sei. Nicht zuletzt gehe ich in Revision, weil ich die Spiegel in meiner Wohnung hängenlassen möchte. Denn würde ich an dieser Stelle kleinbeigeben, fürchtete ich, auf einen Schlag fünf Jahre zu altern. Es steht 0:2, doch der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.
Oliver Fritsch, 28. April
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Hartgeldhelden
Wolfgang Hettfleisch (Frankfurter Rundschau 19.12.): "Bei Fritsch und Co. wird der unterklassige Fußball liebevoll und kurzweilig in Szene gesetzt. Auf absehbare Zeit geht es bestenfalls um Hartgeld. Und es riecht ein bisschen nach Ideenklau. Die nie als sonderlich innovativ aufgefallenen Amateurfußball-Funktionäre sind dabei, die stilprägende Arbeit des Prozessgegners nachzuahmen. Es wäre klug, beim Aufbau solcher Filmportale Profis ranzulassen. Das Knowhow der Hartplatzhelden ist unstrittig. Vielleicht sollten sich beide Seiten mal ohne Anwälte treffen. So was kann Wunder wirken." Der Text trägt den feinen Titel "Hartgeldhelden".
Eigentor
Tobias Schall (Stuttgarter Zeitung) kommentiert das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Stuttagrt vom Mai 2008 und die Klage: „Millionen Hobbykicker erbringen Wochenende für Wochenende aus Liebe zum Spiel ihre Leistung. Ihnen gehört der Fußball, und sie sollten Videos zeigen können, wo immer sie wollen. Der Verband sollte sich darüber freuen, dass das Internet eine mannigfaltige Plattform mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten ist. Stattdessen aber gibt es künftig ein Monopol. Von nun an ist es jedem württembergischen Amateurkicker untersagt, seine Szenen einem Portal seiner Wahl zur Verfügung zu stellen. Der WFV hat erreicht, dass der stolze Vater das Traumtor seines Sohnes nicht mehr auf einer von ihm bevorzugten Seite zeigen darf. Und das ist ein klassisches Eigentor.“
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Links zum erstsinstanzlichen Urteil vom 8.5. und der Zeit davor:
Stand 1. April 2009
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