Zweierlei Wechselrecht


Das Vereinswechselrecht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für Amateurfußballer ist strenger reguliert als das für Profis: Der Amateur muss sich, anders als der Profi, bis zum 31. August bei seinem neuen Verein anmelden, auch wenn er sich nach Saisonende von seinem alten Verein abgemeldet hat. Sonst erhält er Spielverbot bis zum 1. Januar. Für Amateure (korrekter: Nichtvertragsspieler, denn es gibt auch Vertragsamateure) ist demzufolge im Gegensatz zum Profi der Status „vereinslos“ von September bis Dezember verunmöglicht.

Zwei Beispiele: Erstens, ein Kreisligaspieler wollte aus privaten Gründen nach Saisonende mit dem Fußball aufhören, hat sich aber, für alle Fälle, bei seinem Verein schriftlich abgemeldet – fristgemäß, also zum 30. Juni. Im Oktober überlegt er es sich anders und würde gerne wieder spielen, allerdings für einen neuen Verein. Doch das wird ihm erst wieder im Januar gestattet sein. Zweitens, ein Spielertrainer hat sich bei seinem alten Verein nach der Saison abgemeldet und erhält im September das Angebot eines anderen Vereins. Doch leider ist ihm untersagt zu spielen. Coachen dürfte er zwar, doch das allein ist dem neuen Verein nicht genug, weswegen er sich für einen Konkurrenten entscheidet. Nebenbei, das „Modell Spielertrainer“ ist in Deutschlands Kreisligen, sehr beliebt.

Bevor diese Fristenreglung deutschlandweit vor sieben Jahren auf Geheiß der Fifa verschärft worden ist, war es einfacher gehandhabt: War ein Spieler unentschlossen, ob, wie und wann er seine Laufbahn nach Saisonende fortsetzen wird, war ihm zu raten, sich zum 30. Juni von seinem Verein „X“ abzumelden; damit hatte er, abgesehen von der möglichen Ablöseforderung seines alten Vereins, alle Optionen offen, übrigens auch eine Rückkehr zum Verein „X“. Aber eben auch den Anschluss an einen neuen Verein von September bis Dezember. Nun muss er sich bis August für seinen neuen Verein entscheiden – oder sich bis Januar gedulden. Bei Amateurspielern werfen aber schon mal Beruf oder Privates den Karriereplan über den Haufen: eine neue Arbeitsstelle, ein Wohnortwechsel, ein Kind, ein Launenwechsel …

Auf Nachfrage entgegnet Klaus Koltzenburg, verantwortlich beim DFB für die „Offiziellen Mitteilungen“, in denen Satzungsänderungen bekannt gegeben werden: „Es handelt sich nur um wenige Fälle, die davon betroffen sind.“ Das stimmt, es trifft in der Tat Ausnahmen. Doch warum dann überhaupt eine Regel? Welcher Missbrauch soll mit dieser neuen Anmeldefrist eigentlich verhindert werden? Jens-Uwe Münker, Justitiar beim Hessischen Fußball-Verband (HFV), sagt zwar: „Damit soll sichergestellt werden, dass Spieler nicht in der Saison hin- und herwechseln.“ Ein richtiges Anliegen, die so genannte Unverfälschtheit der Meisterschaft – doch kein schlüssiger Grund, denn hin- und herwechseln konnte man auch gemäß der alten, „liberaleren“, Reglung nicht.

Gesetze lassen sich ändern – leichter geht das mit einer starken Lobby. Bei den Vertragsspielern, das bestätigt der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft (VdV) Ulf Baranowsky am Telefon, habe die Fifa auf Druck der Gewerkschaften diese Regel nämlich vor vier Jahren abgeschafft. Verteidigt wird die Ausnahme für Vertragsspieler mit der Berufsfreiheit. Doch was ist mit der „Hobbyfreiheit“?

Hört man sich in der Amateurszene um, stößt man auf Unverständnis über diese Ungleichbehandlung von Profis und Amateuren. Von der Regeländerung hat übrigens fast niemand etwas mitbekommen, auch wenn Münzer auf die offensive Öffentlichkeitsarbeit der Verbände hinweist. Sicher, mancher Vereinsvorstand mag die ungeliebte jährliche Saisonbesprechung geschwänzt haben und die Mühe gescheut, das Kleingedruckte in den Verbandsmitteilungen zu lesen. Doch wie weit es mit der Kommunikation seitens des Verbands her ist, beweist ein Blick ins Internet: Wer auf hfv-online.de aus 26 Seiten „Vereinswechselrecht“ schlau werden will, muss den Kopf schräg halten oder den Bildschirm auf die Seite legen, denn das entsprechende Dokument ist um 90 Grad gedreht.

Dieser Text ist in der Frankfurter Rundschau und in verschiedenen Lokalzeitungen veröffentlicht worden.

Kommentare: 0
von Peter Stahr am 05.01.2007 um 14:13h

Sehr geehrter Herr Fritsch, eins vorweg: ich bin regelmäßiger Leser des indirekten Freistoßes und kann mich dem allgemein geäußerten Lob nur anschließen. Mir gefällt auch Ihre kritische Haltung zum (professionellen) Fußball und dessen Berichterstattung.

Was jetzt allerdings Ihre Haltung zur Öffnung/Gleichstellung der Wechselfristen für Amateure angeht, bin ich überhaupt nicht mit Ihnen einverstanden. Als reiner Amateurkicker, der nie für Geld gespielt hat (zwangsläufiger Abstieg von der Landes- in die C-Liga) stelle ich im Amateurfußball den lokalen sozialen Aspekt in den Vordergrund. Im sportlichen lebt der Amateurfußball von Nachbarschaftsrivalitäten - und ich bin durchaus für's 'Barren', wenn ein Kicker wg. des schnöden Mammons zum Nachbarverein in der gleichen Spielklasse wechselt und dieses auch noch von Verbandsseite möglci hgemacht würde. Stattdessen bin ich hier für eine rigide Reglementierung - wer schon den Verein wechselt, kann dies nur für eine ganze Saison tun - Ausnahmen nur bei einem Wohnortwechsel weiter einer bestimmten Kilometerzahl möglich. In diesem Zuge müßte auch diese unsägliche Möglichkeit des Vertragsamateurs beendet werden. Natürlich ist mir klar, daß man durch dirigistische Maßnahmen kein positives soziales Tun erreichen wird; aber man muß ja nicht unbedingt dem Götzen Mammon bis in die unteren Ligen den Weg frei machen.

Ich bin ein Verfechter sozialer Milieus, von denen im Freizeitbereich der organisierte Fußball einen gewichtigen Stellenwert hat und der sich trotz aller Widrigkeiten und der Ignoranz des Verbands jenseits seiner Lippenbekenntnisse seine spröden Charme bewahrt hat. Und deshalb brauchen wir auch den DFB mit seiner Idee einer Redzurierung auf 9'-Mannschaften nicht. So lange wir organisiert kicken, haben wir ein Recht darauf, nach den gleichen Regeln wie alle zu spielen. Wenn's dafür nicht mehr reicht, treffen wir uns Sonntagmorgen auf dem Bolzplatz.

Herzliche Grüße - Peter Stahr

von Oliver Fritsch am 05.01.2007 um 14:48h

Lieber Herr Stahr,

zunächst mal Dank für Ihr Lob.

Doch ich muss Ihnen widersprechen: Zunächst mal, wer sagt, dass es bei Vereinswechseln (nur) um Geld geht? Da fallen mir einige andere Gründe ein, gerade für einen Trainer. Klar, im Amateurfußball sind die sozialen Bindungskräfte stärker als bei den Profis, und das soll auch immer so sein. Aber die reine Idylle ist es auch nicht immer und überall.

Vielleicht haben Sie mich auch missverstanden. Daher nochmals zur Klarstellung: Wir reden hier nicht von Vereinswechseln innerhalb einer Saison (die man meinetwegen streng reglementieren kann). Es geht um Spieler (oder Spielertrainer), die nach Saisonende aufhören und es sich dann nochmal anders überlegen. Das wird doch noch erlaubt sein.

Ich bin ein Verfechter der freien Vereinswahl. Wir leben in einem freien Land. Tun wir doch, oder?

von scorer am 05.01.2007 um 19:48h

Ja, wir leben in einem freien Land und der Wechsel nach Saisonende sollte meines Erachtens auch unbedingt gestattet werden. Ich gebe allerdings zu, daß ich, zum Posten eines Vereinskassierers gekommen, wie Pilatus ins Credo, einigermaßen schockiert war über die Summen, die in der Landesliga über den Tisch geschoben wurden. Und das Ganze wurde dann als Kosten für Linienkreide, angekaufte Tornetze etc. deklariert. Trotzdem gab es bei der turnusmäßigen Kontrolle zur Wiedererteilung der Gemeinnützigkeit keinerlei Probleme. Nur mein Hemd mußte ich hinterher wechseln, es war durchgeschwitzt, wie nach einem Pokalspiel mit Verlängerung.

von riovermelho am 06.01.2007 um 00:08h

Ja, wir leben in einem freien Land, aber der Vereinswechsel von Amateurspilern nach Saisonschluß ist nur mit Zustimmung des abgebenden Vereins oder unter Zahlung von Ablösesummen möglich. Wenn ein Spieler von einem B-Ligisten am Ende der Saison zu einem anderen B-Ligisten wechselt wird eine Ablösesumme fällig-(ich glaube im Moment 150,--€), in meinen Augen ein Skandal, wenn Profis ablösefrei wechseln können.

Mir ist trotz mündlicher Zusage des Trainers und 16-jähriger Vereinszugehörigkeit die Freigabe verweigert worden, obwohl ich schon 30 km enfernt wohnte und nun in meinem Wohnort spielen wollte. Die Konsequenz war entweder bis zum 01.11. nicht spielen zu dürfen oder zu zahlen.

von patrick am 10.01.2007 um 22:34h

die lösung wäre so einfach gewesen, mehr als ein wechsel pro saison ist verboten. schluss. warum sich der verband jedesmal totreglementieren muss, verstehe der geier!

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