Lieber Herr Stahr,
zunächst mal Dank für Ihr Lob.
Doch ich muss Ihnen widersprechen: Zunächst mal, wer sagt, dass es bei Vereinswechseln (nur) um Geld geht? Da fallen mir einige andere Gründe ein, gerade für einen Trainer. Klar, im Amateurfußball sind die sozialen Bindungskräfte stärker als bei den Profis, und das soll auch immer so sein. Aber die reine Idylle ist es auch nicht immer und überall.
Vielleicht haben Sie mich auch missverstanden. Daher nochmals zur Klarstellung: Wir reden hier nicht von Vereinswechseln innerhalb einer Saison (die man meinetwegen streng reglementieren kann). Es geht um Spieler (oder Spielertrainer), die nach Saisonende aufhören und es sich dann nochmal anders überlegen. Das wird doch noch erlaubt sein.
Ich bin ein Verfechter der freien Vereinswahl. Wir leben in einem freien Land. Tun wir doch, oder?
Ja, wir leben in einem freien Land und der Wechsel nach Saisonende sollte meines Erachtens auch unbedingt gestattet werden. Ich gebe allerdings zu, daß ich, zum Posten eines Vereinskassierers gekommen, wie Pilatus ins Credo, einigermaßen schockiert war über die Summen, die in der Landesliga über den Tisch geschoben wurden. Und das Ganze wurde dann als Kosten für Linienkreide, angekaufte Tornetze etc. deklariert. Trotzdem gab es bei der turnusmäßigen Kontrolle zur Wiedererteilung der Gemeinnützigkeit keinerlei Probleme. Nur mein Hemd mußte ich hinterher wechseln, es war durchgeschwitzt, wie nach einem Pokalspiel mit Verlängerung.
Ja, wir leben in einem freien Land, aber der Vereinswechsel von Amateurspilern nach Saisonschluß ist nur mit Zustimmung des abgebenden Vereins oder unter Zahlung von Ablösesummen möglich. Wenn ein Spieler von einem B-Ligisten am Ende der Saison zu einem anderen B-Ligisten wechselt wird eine Ablösesumme fällig-(ich glaube im Moment 150,--€), in meinen Augen ein Skandal, wenn Profis ablösefrei wechseln können.
Mir ist trotz mündlicher Zusage des Trainers und 16-jähriger Vereinszugehörigkeit die Freigabe verweigert worden, obwohl ich schon 30 km enfernt wohnte und nun in meinem Wohnort spielen wollte. Die Konsequenz war entweder bis zum 01.11. nicht spielen zu dürfen oder zu zahlen.
die lösung wäre so einfach gewesen, mehr als ein wechsel pro saison ist verboten. schluss. warum sich der verband jedesmal totreglementieren muss, verstehe der geier!
Sehr geehrter Herr Fritsch, eins vorweg: ich bin regelmäßiger Leser des indirekten Freistoßes und kann mich dem allgemein geäußerten Lob nur anschließen. Mir gefällt auch Ihre kritische Haltung zum (professionellen) Fußball und dessen Berichterstattung.
Was jetzt allerdings Ihre Haltung zur Öffnung/Gleichstellung der Wechselfristen für Amateure angeht, bin ich überhaupt nicht mit Ihnen einverstanden. Als reiner Amateurkicker, der nie für Geld gespielt hat (zwangsläufiger Abstieg von der Landes- in die C-Liga) stelle ich im Amateurfußball den lokalen sozialen Aspekt in den Vordergrund. Im sportlichen lebt der Amateurfußball von Nachbarschaftsrivalitäten - und ich bin durchaus für's 'Barren', wenn ein Kicker wg. des schnöden Mammons zum Nachbarverein in der gleichen Spielklasse wechselt und dieses auch noch von Verbandsseite möglci hgemacht würde. Stattdessen bin ich hier für eine rigide Reglementierung - wer schon den Verein wechselt, kann dies nur für eine ganze Saison tun - Ausnahmen nur bei einem Wohnortwechsel weiter einer bestimmten Kilometerzahl möglich. In diesem Zuge müßte auch diese unsägliche Möglichkeit des Vertragsamateurs beendet werden. Natürlich ist mir klar, daß man durch dirigistische Maßnahmen kein positives soziales Tun erreichen wird; aber man muß ja nicht unbedingt dem Götzen Mammon bis in die unteren Ligen den Weg frei machen.
Ich bin ein Verfechter sozialer Milieus, von denen im Freizeitbereich der organisierte Fußball einen gewichtigen Stellenwert hat und der sich trotz aller Widrigkeiten und der Ignoranz des Verbands jenseits seiner Lippenbekenntnisse seine spröden Charme bewahrt hat. Und deshalb brauchen wir auch den DFB mit seiner Idee einer Redzurierung auf 9'-Mannschaften nicht. So lange wir organisiert kicken, haben wir ein Recht darauf, nach den gleichen Regeln wie alle zu spielen. Wenn's dafür nicht mehr reicht, treffen wir uns Sonntagmorgen auf dem Bolzplatz.
Herzliche Grüße - Peter Stahr