Von 11 auf 9?

DFB-Präsident Theo Zwanziger schlägt vor, die Spieler in den Kreisligen von 11 auf 9 zu reduzieren. Der Grund für seinen (man muss ihn, weil er vom DFB kommt, so nennen) revolutionären Vorstoß sei der stetige Rückgang der Mannschaften: Etwa zehn Prozent Verlust an gemeldeten Teams sind in den letzten Jahren zu beklagen. Stephan Brause, Mitarbeiter der Direktion Kommunikation beim DFB, bestätigt am Telefon: „Um dem demographischen Wandel gerecht zu werden und den Spielbetrieb in den unteren Ligen aufrechtzuerhalten, steht ein Bündel von Maßnahmen zur Diskussion – darunter auch eine Verringerung der Spieler.“ Doch es handle sich nicht um einen konkreten Plan, sondern allenfalls um einen Vorschlag zum Meinungsaustausch. Das klingt nach einem Schritt zurück, denn Zwanziger hat seine Idee dem kicker sehr entschlossen offenbart. Die Reaktionen der Vereine seien bisher „gemischt“, gesteht Brause.

Der Gedanke, auf dem Fußballfeld mehr Platz zu schaffen, kursiert in kleinen Expertenzirkeln in der Tat schon seit längerem, aber aus einem anderen Grund. Christian Eichler, Sportredakteur der FAZ und Autor verschiedener Fußballbücher (etwa des legendären Lexikons der Fußballmythen), befürwortet prinzipiell die Verkleinerung von Teams. Am Telefon sagt er: „Der Fußball erstickt. Man denke an die K.o.-Runde der letzten WM: Die Spiele waren bis auf wenige Ausnahmen entsetzlich langweilig, inklusive des Finals; eine der wenigen Ausnahmen war das Halbfinale zwischen Deutschland und Italien.“ Die Athletik der Fußballprofis habe sich in den letzten Jahrzehnten derart verbessert, dass das Spiel zwangsläufig stocke. Entweder, fordert Eichler, müsse man die Spielfelder vergrößern oder es dürften nicht mehr so viele mitspielen: „Die Regeln sind anderthalb Jahrhunderte alt, sie werden dem heutigen Spiel nicht mehr gerecht. Es muss mehr Raum her!“ Der holländische Nationaltrainer Marco van Basten wird häufig mit ähnlichen Bemerkungen über den Spielstillstand zitiert.

Warum also nicht mal ein Experiment? Im Rugby habe eine ähnliche Maßnahme gefruchtet, sagt Eichler. Im Rugby gibt es eine Variante, die mit 7 Spielern statt mit 15 oder 13 und in kürzerer Spielzeit von statten geht. Aus diesen Regeländerungen resultierten die besten und spannendsten Spiele, hebt Eichler hervor. Doch die Notwendigkeit dieser Reform bestehe nun mal ausschließlich im Profifußball; keine C-Liga-Mannschaft der Welt habe die Kondition, die für den Laufaufwand nötig ist, den Raum neunzig Minuten zu verengen. Allenfalls biete sich die Kreisliga als Experimentierfeld an.

Wie seht Ihr das? Ist die Not in den unteren Ligen wirklich so groß, dass wir die 11er-Tradition über Bord werfen sollten? Andererseits, warum nicht mal was Neues wagen? Oder spielte dann die Kreisliga ein anderes Spiel als der Rest Fußballdeutschlands?
Kommentare: 11
von kurtspaeter am 15.01.2007 um 12:34h

Genauso undifferenziert wie die reine Schlagzeile des Herrn Zwanziger hier mal ein paar Gedanken, die mir zum Thema eingefallen sind:

Aufstieg und dann? Welche Postion streichen? Größerer Platz für untrainiertes Spielermaterial? Passives Abseits? Torkamera? Fünfter Offizieller?

von Kuki am 16.01.2007 um 11:38h

Ich finde die Idee total schlecht. Fussball wurde schon immer mit elf Mann gespielt, zumindest in den letzten 40-50 Jahren und ich finde das sollte man auch dabei belassen. In anderen Sportarten wird auch nicht immer versucht, irgendwelche Änderungen verbei zu führen. Es verbienden viel mit den 11 Spielern. 11 Freunde müsst ihr sein, Spielsysteme wie 4-4-2, gewisse Positionen die man nicht streichen kann wenn man eine gewisse Taktik im Kopf hat und und und... Genauso finde ich die Idee von Herrn Blatter, das Elfmeterschießen bei WM und EM abzuschaffen richtig miserabel. Er meint, dass Fussball ein Manschaftssport bleiben sollte und das nicht der Fall wäre beim Elfmeterschießen. Aber es tretten jeweils 5 Schützen gegen die Torhüter an. Dies ist für mich eine Manschaftsleistung, denn es hängt nicht nur von einem Spieler ab, wer das Elfmeterschießen gewinnt. Bitte lasst den Fussball so wie er ist, die blöde Abseitsregeln mit dem Passiven und Aktiven Abseits reicht vor erst mal für die nächsten Jahre.

mfg Kuki

von riovermelho am 16.01.2007 um 16:41h

Natürlich ist das wieder mal großer Mist!

Laßt den Fußball wie er ist. Weshalb wohl ist Fußball die poulärste Sportart weltweit? - Weil er ist wie er ist. Ich habe an diese Stelle schon einmal ähnliches geäußert.

wie wär es mal mit einem blog zum Thema passives Abseits - total blöd oder einfach nur bescheuert?

von kenno am 16.01.2007 um 17:19h

Hauptsache mal wieder was gesagt!

von scorer am 16.01.2007 um 17:47h

Wenn ich einen solchen Vorschlag lese und die aparte Begründung dazu, dann weiß ich, warum von einer immer größeren Annäherung zwischen Politik und Sport geredet wird: Die Sportfunktionäre treiben jetzt schon genau so skrupellos die allerdümmste Sau durch jedes Dorf, wie die Politiker. Es ist alarmierend, daß ein DFB-Präsi nicht weiß, was auf jedem Trainerlehrgang gepredigt wird, nämlich, daß es auf jede Spieltaktik eine passende Antwort gibt, man sie nur kennen und leisten muß. Und Herr Eichler, der auch noch ganze Bücher über den seiner Meinung nach so entsetzlich lanweiligen Fußballsport schreibt (Schizophrenie oder Schreibzwang?) möge zunächst mal definieren, was für ihn denn die Spannung in einem Spiel ausmacht. Die Hartplatzhelden hier haben sich dazu ja schon positoniert. Alles niederschlagend aber ist das Beispiel des Rugby. Vielleicht befindet sich ja ein Rugbyspieler unter uns, der das präzisieren kann, aber meines Wissens wird 13-er oder 7-er-Rugby nur in den Profiligen gespielt und im Rugby gelten Professionals als Charakterschweine, die niemanden großartig interessieren. Wer einmal eine Übertragung von 13-er Rugby, etwa auf Eurosport, gesehen hat, weiß, daß das Zuschauerinteresse an dieser Version des Sports ungefähr so hoch ist, wie in Deutschland dasjenige an Fußbaltennis als Wettkampfsport. Immerhin, die Spielgeräte sind jeweils die gleichen....

von Nummer 2 am 16.01.2007 um 20:32h

Kann solche Vorschläge einfach nicht verstehen. Fussball wird schon immer mit 11 Spielern gespielt. Würde und trotzdem ist er in den letzten 40-50 jahren doch immer schneller, athletischer und leider auch taktisch geprägter geworden. Man braucht nur die Spiele der 50ziger 60ziger usw. mit den heutigen zu vergleichen und wird bestätigt. Das Problem mit der LAngeweile resultiert doch aus dem immer größren Erfolgsdruck der Manschaften und die daraus hervorgehenden taktischen Maßnahmen die das Spiel dann Lähmen. Eine Reduzierung hätte höchstens zur Folge daß es noch Langweiliger wird, da mann sein Laufpensum denn Verhältnissen anpassen (wahrscheinlich weniger Laufarbeit um Kraft zu sparen) würde. Änderungspläne sind ja aber nichts neues und werden in jeder Winter-/Sommerpause von irgendjemandem vorgetragen. Die Beste Änderung Die in den letzten 20 Jhren jedoch durchgeführt wurde war die Rückpassregel, da diese das Spiel wirklich schneller machte. Alles andere war kokolores.

von maggo am 18.01.2007 um 14:31h

Wir nennen den Herrn Zwanziger in Zukunft Herrn Fünfzehner und für jede weitere unsinnige Idee gehen wieder 5 Punkte von seinem Konto...

von scorer am 18.01.2007 um 18:08h

...und wissen dann, maggo's Vorschlag folgend, spätestens nach dem diesjährigen Pokalfinale endgültig, daß der DFB wieder mal von einem Nuller geführt wird.... D.h.: M-V war ja mehr ein 0,8er.... Ich streiche also das "wieder mal" mit dem Ausdruck des Bedauerns...

von Assauer am 20.01.2007 um 11:43h

Der DFB ist langweilig! Warum verkleinern wir nicht einfach das DFB-Team?

von Pit am 20.01.2007 um 17:47h

ich mein ich weiß ja nich was er für spiele gesehen hat. das polen spiel war doch der hammer. und es gab auch viele andere gute spiele. in der aussage steckt doch viel zu viel politik. weniger mannschaften heißt weniger geld.

von Sergej Kirjakow am 08.02.2007 um 23:06h

Warum nicht mal was neues probieren? Ich find Eichlers Idee gar nicht so schlecht.

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