Viererkette und Schmerzmittel - Amateure auf dem Weg in Moderne?

Hab mir am Freitag und Sonntag zwei Spiele der Oberliga Hamburg angesehen, die an diesem Wochenende in die neue Saison gegangen ist: SV Curslack-Neuengamme gegen Bergedorf 85 (1:0) und SV Lurup gegen den Aufsteiger SV Oststeinbek (2:1), der von einem Bekannten von mir trainiert wird: Stefan Kofahl, einem der Herausgeber von fußball Hamburg, einer Wochenzeitung für den Hamburger Amateurfußball, an der auch Pauli-Profi Thomas Meggle beteiligt ist. Das Eröffnungsspiel in Curslack, das einzige Freitagsspiel, besuchten 1231 Zuschauer. So macht Amateurfußball Spaß. In Lurup zählte man nur 170, obwohl die Gäste eine große Fan-Schar haben. Mancher Bezirksligist hat mehr.


Eine erste Bestandsaufnahme: Alle vier Teams spielen mit Viererkette und Raumdeckung auf dem ganzen Feld; gilt auch für die fünfte Mannschaft, die ich gesehen habe: den TSV Niendorf. Das scheint inzwischen Standard zu sein auf diesem Niveau. Das ist mir neu, denn aus der Oberliga Hessen kenne ich noch Liberos. Da alle Trainer ihre Hausaufgaben gemacht haben und die Abwehrreihen zumindest die Grobform beherrschen, nämlich das Verschieben in die Breite, ist die Defensive Vorteile. In 180 Minuten wurden kaum Chancen herausgespielt, zwei der vier Tore fielen nach Freistößen, eins durch einen Elfmeter.


Das ist zwar nur ein erster Eindruck, doch es erinnert an das Phänomen, das aus dem Profifußball, insbesondere von Weltmeisterschaften, bekannt ist. Defense rules. Abwehrtaktik lässt sich nun mal leichter schulen als der Angriff. Haben die Amateure eine Modernisierung hinter sich – und stehen nun vor demselben Problem wie viele Profiteams standen (und noch stehen): also etwas auszutüfteln, um die effektive Verschiebemaschinerie der verteidigenden Elf (alle hinter den Ball!) mit ständiger Überzahl in Ballnähe auszuhebeln?


Noch eine Parallele zu den Profis, die ich aufgeschnappt habe: Zwei Spieler sprachen offen und nicht ohne Stolz darüber, mit Schmerzmitteln gespielt zu haben. Nicht gut, Jungs. Das ist nicht mal eine Profikarriere wert. Wer’s nicht glaubt und nicht über die Spätfolgen aufgeklärt ist, soll bitte noch mal die 11-Freunde-Ausgabe aus dem Juni lesen, darin haben Toni Schumacher, Otto Addo, Christoph Dabrowski und andere darüber Auskunft gegeben, was Schmerzmittel in ihrem Körper verursacht haben. Hier das ergänzende Interview mit dem Fifa-Mediziner Jiri Dvorak. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob Schmerzmittel Doping ist. Zwar sind sie nicht leistungssteigernd, aber sie bleiben eine unnatürliche, chemische Hilfe. Und für manche vielleicht sogar eine Einstiegsdroge.


Stefan Kofahl kenne ich übrigens aus einer Fortbildung des Hessischen Fußballverbands, die ich vor zwei Jahren regelmäßig leitete: „Rhetorik für Fußballtrainer“. Ein kurioser Job. Ja, ich war mal Referent beim DFB.

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