Ich denke, sie haben den Text hier und da zu ernst genommen, Herr Klausmann.
Hallo, Herr Metz,
ich habe mich bemüht, Herrn Fritsch ernst zu nehmen. Zitat: "Ich meine das ernster als es vielleicht klingt. Es könnte aber, zu Ende gedacht, zu einer bitteren Selbsterkenntnis führen."
Etwaige Ironie ist tatsächlich unerkannt an mir vorbeigerauscht.
Genau diesen letzten Satz hab ich als ironische Kehrtwendung gelesen, der die vorher geäußerte, nur scheinbare kritik ins Leere laufen lässt.
Tja, dann wird uns wohl nur Herr Fritsch mit einer Aussage darüber weiterhelfen können, wie ernst der Beitrag gemeint war.
Ich nämlich habe eher den bodenheizungsfreien Quadratmeter und die Erwähnung der "wirklichen" Tabubrüche für Satire gehalten, wurde aber angesichts des zitierten letzten Satzes denn doch wankend in meiner Auffassung.
Warum sollte man dem Autor die Deutungshoheit über seinen Text überlassen? Das Werk ist größer als der Künstler. ;-)
Aha, Herr Fritsch, JETZT kommen wir ihnen auf die Schliche!!
Sie planen offenbar eine Promotion in Gießen oder Marburg zum Thema
"Rezeptionspsychologische Aspekte ambivalenter Aussagen in neuen elektronischen Medien am Beispiel eines Amateursportweblogs"
Und wir sind die Versuchskarnickel, hm? ;-) DAS haben wir ja schon gern! Aber, zugegeben, ich habe schon albernere Dissertationen und weniger aufwendige Feldforschung gesehen, doch, doch....
Ach, ich erkläre so ungern meine eigenen Texte, weil ich das als Eingeständnis betrachte, dass ich mich nicht richtig ausgedrückt habe. Aber nun gut: Mit meinem letzten Satz will ich betonen, dass ich nicht als Großkritiker einer "Kultur" auftreten will und kann, dessen Teil ich bin und zu der ich hin und wieder beitrage.
Hallo Herr Fritsch, seitdem Sie sich als A-Liga-Trainer geoutet haben, sind Sie für mich vom Schreibtischtäter zum Praktiker geworden und damit geadelt. Ihre thematische Aussage würde ich gern differenzieren - natürlich hat der Kasten Bier (am besten vom Trainer nach einem Sieg) einen sozialen und rituellen Wert. Und ich denke, daß diese Rituale klar geregelt sind: es gibt eben keinen Kasten Wasser und auch keine Flasche Schnaps. Ab wann kann man vom Saufen sprechen - nach dem Stapeln des 2., 3. oder 10. Kastens? Zur Selbsterkenntnis würde ich vorschlagen, daß sich im Senioren-Fußball durchgängig Alkoholiker treffen. Alkoholiker definiert als solche, die regelmäßig Alkohol konsumieren. Eben das machen wir ja im (Amateur-)Fußball. Die Frage ist dann aber, wann dieser Alkoholismus für den Einzelnen vom sozial-positiven ins persönlich-negative umkippt. Wie bei allem im Leben geht es also um's Maß. Und eine positive soziale Gemeinschaft wird mit ihren labilen Charakteren an einem sinnvollen Maß arbeiten. Und sich darüber klar sein, daß sie gegenüber Kindern und Jugendlichen eine Vorbildfunktion hat. Mit dem Begriff des 'Saufens' sind Sie natürlich gleich auf die Ebene des Exzesshaften gegangen; ich kann mir aber nicht vorstellen, daß der Fußballkreis Gießen trotz der Nähe zu einer bekannten Brauerei negativ aus der Reihe fällt. Mein Problem im Spielbetrieb sind die Jungs, die nachts vorm Spiel unterwegs sind und dann so voll heimkommen, daß sie zum Spiel nur eingeschränkt spielfähig sind. Dann weiß man als deren Trainer, daß einem der Fußball-Gott harte und steinige Prüfungen bereitet. In diesem Sinne: erst kicken - dann trinken! Und Saufen nur bei großen Siegen...
Hallo zusammen, Zunächst muss ich sagen, ja Saufen ist Konformismus und es ist wirklich um einiges schwerer, wenn nicht sogar nur bis zu einem niedrigeren Grad möglich, im örtlichen Fussballverein in einer ländlichen Gegend akzeptiert zu werden, wenn man nicht an den, an das Spiel oder Training anschließenden Trinkgelagen teilnimmt und möglichst lange dort verweilt um mit jedem anderen Gast mindestens einmal eine frische Flasche Bier zu öffnen. Das obligatorische nach dem Spiel Bier (der Ausgang des Spiels tut nichts zur Sache) zu verweigern, würde zumeist wohl als geradezu rüpelhaft und unkollegial angesehen. Nicht mal die scheinheiligen Ausreden wie, "Ich muss noch fahren"; "Ich nehme Antibiotika" oder "Ich bin Moslem" wirken da rechtfertigend. Doch auch wenn die Gefahr des exzessiven Konsums in Jugendjahren nicht zu unterschätzen ist, muss ich sagen, dass der gemeinsame Konsum von Rauschmitteln verschiedener Arten in Gesellschaft deiner Mannschaftskameraden, neben den bekannten Wirkungen, das "Wir-Gefühl" ungemein verstärken kann. Nicht zuletzt wahrscheinlich, weil der Torschützenkönig dem beinharten Verteidiger (oder umgekehrt) seine Wertschätzung (ob sportlicher oder persönlicher Art) nur in einem Moment des Vollrausches, so emotional und ehrlich vermitteln kann, dass ein jeder der Beiden, wenn nicht für sich selbst, dann für den Anderen, auf dem Platz alles gibt. (Wer Zeichenfehler findet, darf sie behalten.)
Ein vielschichtiges Thema, und wenig Platz für die Antwort. Deshalb Telegrammstil: 1. Die Untersuchungen von Herrn Brettschneider scheinen als Vergleichsgruppe wohl vorzugsweise ausgewählte Synchronschwimm-Equipen benutzt zu haben. Ich würde hingegen folgende Sportarten einer näheren Betrachtung empfehlen: Rugby, Sportkegeln, Segeln, Eishockey und Handball. Außerdem durfte ich einmal die Feierlichkeiten anläßlich einer an meinem Studienort stattfindenden Ruder-WM erleben und weiß seitdem, wie distinguierte Funktionäre und wotanshaft gebaute Weltklasse-Athleten aussehen, wenn sie zusammengesoffen sind, wie die Besenbinder.
2. Natürlich kennt jeder die Leidensgeschichten von Branko Zebec, auch bekannt als „der blaue Bock“, oder anderen, die den Abschied aus der Prominenz nicht verkrafteten. Jeder weiß aber auch, daß Harald Juhnke immer mit der Sucht kämpfte, daß nach Schätzungen Eingeweihter bis zu einem Fünftel aller Bundestagsreden in nicht mehr fahrtauglichem Zustand gehalten werden und bei vielen Showstars nur die Imagemaschinerie verhindert, daß ihre „Anhänglichkeit“ an legale oder illegale Rauschmittel ruchbar wird.
3.Der genannte Rechtsunterschied zwischen den Rauschmitteln läßt mich auch nichts Bigottes darin sehen, daß Vereinsfunktionäre Bier in den Clubräumen erlauben, weiße Pulver oder merkwürdig riechenden Tabak hingegen verpönen. Außerdem muß der wissenschaftlich ebenfalls anerkannte Unterschied zwischen kulturell akzeptierten und nicht akzeptierten Rauschmitteln beachtet werden.
4. Der Unterschied zwischen saufenden Berufsspielern und Kreisligakickern ist der gleiche, wie der zwischen Verkehrspiloten und Modellbauenthusiasten. Der Eine beschädigt seine Berufstauglichkeit und ggf. den Ruf seines Arbeitgebers; der Andere geht seinem Hobby nach und erlaubt sich außer der schönsten Nebensache der Welt noch andere Vergnügungen. So sauer dies dem Trainer auch aufstößt, das ist das Wesen des Amateur- und Breitensports, diese Motivation trägt Hartplatzhelden.