Nullnummern

Liebe Hartplatzhelden,

vielen Dank für die vielen aufmunternden E-Mails in den letzten Tagen – ein Hinweis, dass hier eine Gemeinschaft entstehen kann.

War am Sonntag aufm Sportplatz: 0:0 zwischen Reiskirchen/Niederwetz und Münchholzhausen/Dutenhofen. Ein ordentliches Spiel (bin keiner, der auf ein torloses Spiel mit dem Satz reagiert: „Da hätt ich ja auch zuhause bleiben können!“). Apropos 0:0, hab neulich in der FAZ von dem zähen Versuch der enttäuschten National Football League (NFL) gelesen, ihre Sportart in Europa zu etablieren. Dabei wurde auch der neue Chef der NFL Europa Uwe Bergheim zitiert, dem es wohl zu wohl ist, weswegen er nun aufs Eis tanzen geht: „American Football bietet für Kenner ein komplexes Spiel und für Laien großartige Unterhaltung“, begründet er seinen Optimismus – im Gegensatz zu einem 0:0 zwischen Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld, wie er indirekt zitiert wird. Außerdem ist von seiner Absicht die Rede, „die Deutschen zu erziehen“. Die Deutschen erziehen: weg vom Fußball, hin zum American Football! Na dann, viel Spaß!

Nichts gegen American Football, aber eine Sportart lässt sich nicht so leicht in ein anderes Land verpflanzen wie Fast Food und die freie Marktwirtschaft. Die Amerikanisierung (der Begriff ist gar nicht negativ gemeint, denn ohne dieses Phänomen könnte ich jetzt nicht auf diese Weise mit Euch „reden“) ist auf vielen Gebieten nicht nur in westlichen Zivilisationen weit fortgeschritten – nur im Sport tut sie sich schwer. Fußball ist die Nummer eins der Welt, die Olympischen Spiele sind das Fest der globalen Jugend; Baseball, Basketball und American Football, die großen amerikanischen Drei, kommen hingegen über akzeptable und lokal beschränkte Wachstumsraten nicht hinaus. Die Amerikaner können das nicht verstehen. Und gescheitelte Neureiche wie Bergheim wohl auch nicht. Die FAZ betrachtet seine Vision folgerichtig sehr skeptisch und schreibt süffisant von „Marketingfachleuten, die sich daran versuchen, American Football ins Ausland zu verkaufen“, nur weil sie „Schokoriegel genauso erfolgreich unter die Leute gebracht haben wie Katzenfutter und Mobiltelefone“.

Wie seht Ihr das? Ist Fußball eine Ware? Oder hat er seine Wurzeln zu tief in unsere Leben geschlagen, dass er sich ersetzen lassen könnte? Ist das 0:0 der Bastard der Fußballergebnisse? Was bedeutet Euch Fußball? Sagt uns Eure Meinung!

Oliver Fritsch
Kommentare: 0
von Paul am 29.11.2006 um 21:16h

Hallo erstmal, Natürlich ist Fußball auch eine Ware,sowie alles was vermarktet werden kann.Allerdings hat das Ball/Fußball spielen eine wesentlich tiefer liegende Bedeutung,die völlig unabhängig davon existiert.Man "pilgert" ins Stadion,Schalke(oder ein anderer Verein) ist meine "Religion",Choräle die zusammen gesungen werden.Der HartzV Empfänger feuert zusammen mit dem Gutverdiener seine Mannschaft an.Der "Klassenunterschied" wird 90 minutenlang aufgehoben.Das Erlebnis einer Massenveranstaltung und das daraus resultierende Zugehörigkeits-sowie Gemeinschaftsgefühl,das zusammen Leiden und freuen.Fußball hat in Deutschland/Europa tief liegende Wurzeln,nicht nur emotional sondern auch zeitlich,das hat der amerikanische Sport eben nicht.Drum wird sich der Fußball auch nie wirklich ersetzen lassen können.Fußball ist teil unserer Kultur der heute noch so gelebt werden kann wie jeher,drum ist er so populär...;)...und bevor ich es vergesse...habe schon verdammt spannende 0:0 gesehen und kann so ein Ergebnis auch schätzen...

von scorer am 29.11.2006 um 23:01h

Ja, natürlich denken die "Kreativen" in den Marketinabteilungen, daß man jedem alles und jedes verkaufen kann. Aber im Sport ist einfach die Umgebungsgebundenheit zu groß; wenn Du in einer Gegend aufwächst, wo es kein organisiertes Kunstradfahren gibt, dann wirst Du kein Kunstradfahrer und wirst Dich auch nie dafür interessieren, selbst wenn Du in eine Gegend verziehst, in der diese Sportart Bedeutung hat. Ich bin ein "natural born" Schalker, buchstäblich in Sichtweite der Arena geboren; damals gab es im Kohlenpott natürlich nur eine wichtige Sportart und für mich natürlich nur einen Verein außer der Rotaschetruppe, bei der ich selbst gespielt habe. Ich bin nach meinem Studium wirklich viel in Deutschland herumgekommen, aber die Liebe zum Kohlenpott und die Liebe zum Fußball, zu Schalke und dem "unterklassigen" Fußball, besonders im Westen, habe ich nie verloren. Und genau dieses Beharrungsvermögen ist es, der die Marketingstrategien unserer Manipulationsexperten zum Scheitern bringen wird. Außerdem: Eine solche "Erziehung" müßte mindestens zwei Generationen dauern. Woher sollen denn für ein solches Projekt im Zeitalter der Quartalsberichte die Sponsoren kommen? Nein, nein, auch in Zukunft werden sich vernünftigerweise mehr Leute an einem gepflegten 0 - 0 erfreuen können, als an einem 54 - 54 mit werweißwievielen touchdowns.

von khonfused am 30.11.2006 um 10:31h

American football vollzieht als Spiel die amerikanische Westeroberung nach. Ziel ist es Raum zu gewinnen (Treck nach Westen). Dadurch ist das Spiel in den USA historisch und gesellschaftlich verwurzelt. Dieses fehlt in Europa gänzlich. Deswegen können Europäer den Reiz des Spiels auch nur in begrenztem Maße nachvollziehen. Eine Ablösung des Fußballs als Sportart Nr. 1 scheint illusorisch.

von Mr. Mo am 30.11.2006 um 10:55h

In Mainz ist es für Fans ohne Dauerkarte schwer, in den Genuss eines Stadionbesuchs zu kommen. Mir und ein paar Freunden blieb als Alternative nur die Fahrt zu einigen Auswärtsspielen. Und für die gilt ja erst recht, dass man "was zu sehen bekommen möchte". Es soll sich schließlich lohnen, wenn man hunderte von Kilometern für viel Geld durch die Republik reist. Vor etwa zwei Jahren nahmen wir unseren weitesten Trip auf uns. Die Fahrt nach Bremen wurde ein richtiger Wochenendurlaub. Es herrschte typisch-nordisches Wetter, während des Spiels wechselten sich Schnee, Regen und Hagel ab, der Wind wehte so manche Flanke direkt ins Aus. Endergebnis: 0:0! Aber was für eins: Dem haushohen Favoriten einen Punkt abgetrotzt, Dimo Wache über sich hinaus wachsend, wir haben keine Minute bereut. Letzte Saison in Duisburg: In Erwartung des alles entscheidenden Abstiegsduells besorgten wir uns früh Karten für die Tour in den Pott. Leider kam es anders: Mainz war schon gerettet, Duisburg schon abgestiegen. Ein bedeutungsloser Kick also und so spielten die Teams auch. Am Ende: 0:0! nach dem Spiel feierten noch 10 000 Mainzer im Stadion mit ihren Spielern, verabschiedeten die scheidenden Auer, Zidan und da Silva mit minutenlangen Gesängen. Das Spiel war vergessen, es zählte nur noch die gemeinsame Freude. Auch dieses 0:0 hätte ich nicht verpassen wollen. Deshalb gilt: Beim Fußball zählen nicht die Tore! Es zählt nur, was man aus dem Spiel macht!

von riovermelho am 30.11.2006 um 12:31h

Der erfolglose Versuch einiger Marketingexperten American Football hier zu etablieren erfüllt mich mit großer, ja diebischer Schadenfreude.

Man kann im Leben viel Frauen lieben,,aber nur einen Verein. Dieser Umstand ist den Amis völlig unbekannt.

Show hin, Touchdown her - nur wer schon einmal einen Volleyschuß aus 20 m in den Knnick gehauen hat, weiß worum es beim Fußball geht. Und das soll so bleiben, jetzt und in alle Ewigkeit - Amen

von Gaucho am 30.11.2006 um 13:44h

Schönes Eigentor, Herr Bergheim. Gerade weil Football so komplex ist, bietet es für Laien keine großartige Unterhaltung, sondern nur kaum nachzuvollziehenden Irrsinn.

von Timbo_Rowski am 30.11.2006 um 15:02h

"Baseball, Basketball und American Football, die großen amerikanischen Drei"

Ich bin selbst großer Basketball-Fan und somit gewissermaßen befangen, aber ich meine, daß der Basketballsport auch aus objektiven Gründen aus dieser Aufzählung herausgenommen werden sollte. American Football ist trotz der NFL Europe nur im Ursprungsland so richtig groß, Baseball ist mittlerweile olympisch und in Ländern wie Kuba und Japan sehr beliebt, aber Basketball wird überall gespielt -- und auch geschaut. In Europa ist Deutschland vielleicht das Land, wo es dieser Sport am schwersten hat. Soviel dazu.

Übrigens gibt/gab es auch Pläne für eine NBA Europe. Im Gespräch waren sowohl eine Liga aus europäischen Vereinen als auch eine Einbeziehung europ. Teams in die NBA selbst. Allerdings hat man diese Pläne erst einmal auf Eis gelegt. Obwohl das Niveau der europ. Bballclubs immer besser wird (D ausgenommen), obwohl immer mehr Europäer in der NBA spielen (und 2006 mit Andrea Bargnani der erste Europäer an Nr. 1 gedraftet worden ist).

Hoffentlich hab ich das Thema nicht ganz verfehlt. Das nächste Mal ausschließlich über Fußball, versprochen.

von David Kluge am 30.11.2006 um 15:27h

Eher erobert der Fußball doch noch die USA (mit allen seinen Latinos, Iren etc.) als American Football oder Baseball Europa. Zu allen anderen hier (bestimmt noch) genannten Faktoren kommt meiner Meinung nach, dass Versuche, etwas Amerikanisches in Europa zu installieren, es ungleich schwerer haben als früher, da es weltweit eine Abkehr von Amerika zu beaobachten gibt. Inzwischen gibt es auch Hollywood-Filme, die in Europa total durchfallen weil sie als „zu Amerikanisch“ empfunden werden, während „unamerikanischere“ (oft von Einwanderern gedrehte) US-Filme teilweise neuerdigs im Ausland erfolgreicher sind als in den USA.

von Oliver Fritsch am 30.11.2006 um 17:31h

Ich möchte nur noch mal klarstellen: Ich bin selbst Gegner des Antiamerikanismus. "Wir Europäer" sind, auch wenn manchen die Einsicht schwerfällt, kulturell keineswegs überlegen. Außerdem sind Basketball, Baseball und Football tolle Sportarten, da will ich gar keinen künstlichen Gegensatz zum Fußball herstellen. Ich glaube sogar, dass die Abneigung vieler Journalisten gegen den Kalifornier Klinsmann mit all seinen neuen Methoden zum Teil durch einen antiamerikanischen Reflex begründet war; es gab ja mal ne Zeit, als man auf ihm rumhacken durfte.

Was mich nur stört, ist dieses Marketing-Latein, wenns um sowas Heilig-Ernstes wie Fußball und anderen Sport geht.

von ronnybiggs am 30.11.2006 um 17:53h

Meiner Meinung nach muss beim US-Sport von den "großen Dreieinhalb" gesprochen werden, da Eishockey im Norden der USA und in Kanada ebenfalls eine eminent wichtige Rolle spielt. Dass dieser Hr Bergheim von seinem Sport begeistert ist, sollte nicht zu sehr verwundern, da er ja auch immerhin der Chef des europäischen Ablegers ist... Aber gegen das gute Nullnull zu wettern zeigt, dass er wohl noch einer der Amerikaner ist, die Jubeln wenn der Ball über die Latte streift. Für meinen Geschmack wird Football in D bzw. Europa immer eine Randsportart bleiben, da keine gewachsene Tradition besteht und z.B. in FRA das wesentliche agilere Rugby verehrt wird. Gerade die Aussage die deutschen vom Fußball wegerziehen zeugt aber von einer großen Unkenntnis bzgl. der deutschen Sportverhältnisse, da sich der Fußball eine über Jahrzehnte gewachsene Dominanz erspielt hat und nicht zufällig Woche für Woche Hunderttausende in die Stadien und Millionen vor den Fernseher lockt. Andererseits hätte der Fußball in den USA nur dann eine Chance, wenn er in den sehr speziell zugeschnittenen amerikanischen Sportkalender integriert werden würde, bei dem momentan nur Raum für exakt vier Sportarten ist. Wobei die Chancen des Fußballs dennoch wesentlich höhrer einzuschätzen sind, da er in den Staaten ein sehr beliebter Breitensport ist - was man umgekehrt von Football nicht behaupten kann. Im übrigen ist die NFL-Europe bisher alles andere als eine Erfolgsstory. Vielleicht tauft Football einfach nur als Nationalsport der Amerikaner. Schließlich erfreuen sich Baseball, Eishockey und Basketball schon längst auch in anderen Ländern der Welt großer Zuneigung der Aktiven und Zuschauer, was sogar soweit geht, dass aus der Jahrzehntelangen Vorherrschaft der Amerikaner im Basketball mittlerweile eine Durststrecke geworden ist und nicht Amerikaner wie Tony Parker, Dirk Nowitzki oder Manu Ginobili locker Weltklasse-Niveau erreichen. Und das ist auch gut so, schließlich soll Sport die Völker verbinden.

von Michael Wiemer am 30.11.2006 um 18:08h

Natürlich bleibt Fußball die Sportart Nr. 1 in Europa. Herr Bergheim übersieht die tief verwurzelte Liebe vieler Europäer in den Fußball. Wer hat nicht als Bub schon auf einer Wiese Fußball gespielt und mit den Schulranzen die Torpfosten abgesteckt. Die Zuschauerzahlen im fußball sprechen eine klare Sprache.

von Oliver Fritsch am 30.11.2006 um 18:28h

Wer einen Einblick in den US-Sport gewinnen will, dem sei der hervorragende Blog "American Arena" (http://american-arena.blogspot.com/) empfohlen. Er wird vom New Yorker FAZ-Korrespondenten Jürgen Kalwa betrieben, der nahezu täglich mit kritischer, aber gelassener und neugieriger Haltung die Randnotizen des amerikanischen Sports aufspießt.

von Timbo_Rowski am 30.11.2006 um 19:00h

Ich kann das ständige "Wir sind wieder wer"-Geseiere bezüglich der WM '54 nicht mehr hören, auch weil ich finde, daß dieser Titelgewinn mit dafür gesorgt hat, daß man in Deutschland von "König Fußball" spricht -- nicht zu Unrecht, denn wir haben eine Alleinherrschaft im Sport. ("Diktatur" wäre wohl etwas übertrieben...) Als dieses eine Spiel in Bern damals "aus, aus" war, befand sich Deutschland immer noch im Aufbau. Es mag sich ein bißchen nach Pseudopsychologie anhören, aber ich bin der Meinung, daß man sich an dieser WM, an diesem Erfolg nicht nur aufgerichtet hat, sondern sich daran regelrecht geklammert hat. Die Tradierung hat das Übrige getan und es anderen Sportarten schwergemacht.

von Lafrenz am 01.12.2006 um 12:41h

Mir selbst gefällt die Sportart American Football; woran sie aber in Europa scheitert macht in meinen Augen ein Besuch eines NFL-Europe-Spiels deutlich: Weil die Spiele in den USA live übertragen werden (für wen eigentlich? Die Besten Spieler haben sie doch dort) muß man sich als Stadionbesucher an ewigen Unterbrechungen zu Werbezwecken stören; da sind die bescheidenen Inszenierungen der German Football-Ligue sehr viel flüssiger und ansehnlicher und stellen den Sport in den Mittelpunkt. Das ganze wird mit einer amerikanischen Show aufgewogen, die vermutlich den Sportinteressierten viel weniger begeistert als das Eventpublikum. Aber diese infantile (Maskottchen) und debile Art (so mancher Stadionsprecher) wird ja auch im deutschen Fußball praktiziert, um anderes Publikum zu erreichen.

von T_B_M am 01.12.2006 um 20:24h

Ich kann nur "Im Abseits" von Andrei Markovits empfehlen. In dieser Arbeit wird untersucht, warum Fußball sich in den USA bis jetzt nicht gegen die großen Dreieinhalb durchsetzen kann. Für die Zukunft sieht er allerdings einen "kritischen Zeitraum" in dem Fußball sich mittels einiger "Zufälle" doch noch etablieren könnte. Von Verdrängung ist allerdings keine Rede. So glaube ich auch, dass Football den Fußball keineswegs ersetzen muss. Ein Miteinander ist durchaus denkbar, wenn man bedenkt, dass die Amerikaner ja auch fast vier Sportarten verfolgen. Ich kriege es zeitlich eigentlich ganz gut hin beide Sportarten intensiv zu verfolgen.

von Dülp am 01.12.2006 um 23:04h

Ist es so unbemerkt vonstatten gegangen? Der Football hat sich doch gerade in Deutschland bereits eine beachtliche Fanbasis geschaffen. Nicht umsonst ist aus der NFL Europe defacto eine NFL Germany geworden. Deutschland hat bereits das Potential fünf Mannschaften in den größeren Städten am Leben zu halten - abgesehen von den kleineren Städten, wie Braunschweig, in denen der Football eine größere Tradition hat, sich aber für die NFL niemals lohnen wird.

Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern herrscht in Deutschland eine sportliche Monokultur. Außer Fußball gibt es wenig. Eishockey, Handball, Basketball behaupten sich eher schlecht als recht - zu erkennen an den TV-Verträgen. Man vergleiche England, wo Rugby oder Cricket einen immensen Status haben. Gerade in Deutschland ist deswegen eine Nische in der Aufmerksamkeit, in die sich Football einnisten könnte.

Ohne ein Experte zu sein, verfolge ich die NFL seit Jahren sehr aufmerksam und es ist meine Sportart Nr. 2. Allerdings verfolge ich es in ganz anderer Weise als Fußball. Ich habe es nie selbst gespielt (wichtig für die Wahrnehmung) und ich lerne stets dazu (während ich beim Fußball selbst erklärter Experte bin). Die Involviertheit ist also eine ganz andere. Fußball ist Religion, Football ist Show.

Mittlerweile habe ich aber geschafft, meine angeheirateten Verwandten in Pennsylvania mit meinen Fragen nach den genauen Unterschieden zwischen einer Nickelback und einer Diamond-Verteidigung zur Verzweiflung zu treiben. Der durchschnitlliche Ami hat davon nämlich auch keine Ahnung. Die stehen einfach nur auf Spektakel.

Womit uns die Amis das Wasser abgraben könnten ist die Inszenierung. Hat mal jemand den NFL-Gameday geguckt und mit der Sportschau verglichen? Bei uns werden die besten Szenen runtergespult, dort werden sie zelebriert, unterlegt von dramatischer Musik. Nicht das das erstrebenswert wäre, aber es spricht in ganz anderer Weise an und kann deswegen andere Zuschauer vor den Bildschirm holen.

von sway am 02.12.2006 um 00:15h

Ein Punkt ist ein Punkt ist ein Punkt.

Zwei Punkte verschenkt oder verloren.

Einen gewonnen?

Ein Punkt ist ein Punkt.

von Ruul am 02.12.2006 um 23:25h

Deutschland hat keine eigene Sportkultur. Das ist ein grosses Problem.Fussball - die erste Bundesliga hat kein Niveau in keinster weise - wird von den medien trivialisiert und ueberdimensioniert dargestellt. In anderen ländern sind viele sportarten ähnlich wichtig wie fussball. Siehe Frankreich: Rugby und Volleyball. In England stehen Rugby, Cricket und viele andere Sportarten auf einem aehnlichen niveau. Es spricht nicht fuer uns, ausser fussball nichts zu kennen. alle sportarten wurden nahezu komplett aus england kopiert. der gegenwaertige niedergang des deutschen sports ueberhaupt ist ein spiegelbild der gesellschaft, die keinen patriotismus und keinen eigenen antrieb kennt. heruasragend sind meist kinder von einwanderern. Die USA haben eine faszinierende sportwelt jenseits europas entwickelt. american football ist neben baseball das herz davon. diese sportarten sind viel zu wundervoll, als sie in einem land der ignoranten - wie es deutschland leider ist - vor die hunde gehen zu lassen. Ich schau mir gleich das spiel der 49ers an. ciao und viel glueck euch allen.

von Manfred Bockenfeld am 03.12.2006 um 11:05h

Ich bin kein Soziologe. Ich bin kein Erstligist. Ich bin kein Fan von Nullnummern. Ich bin kein Experte für US-Amerikanische Sportarten. Aber vor allem bin ich nicht gerne Objekt marketingorientierter Manipulationsversuche.

Ausschlaggebend für meine Freizeitaktivitäten sind meine persönlichen Vorlieben. Und auch wenn diese Vorlieben vielleicht in gewisser Hinsicht der Manipulation der Medien und der Funktionäre im Hintergrund unterworfen sind, so mag ich doch den Gedanken, dass ich es bin, der die Sportart, den Verein usw. aussucht. Vielleicht muss es gar kein "entweder-oder" sein. Vielleicht gibt es keinen "Sportartendarwinismus". Vielleicht sollten alle, sowohl in Deutschland als auch im Rest der Welt, ihren eigenen Willen entdecken und Football spielen wenn sie wollen oder Fussball gucken, wenn sie eben das wollen.

Ich finde es schade, wenn sich Befürworter ihrer eigenen Meinung (pro Football, pro Fussball) lieber dem Kritisieren des wohl nur scheinbar existierenden Rivalen hingeben.

A propos, ich liebe Fussball, weil er Spass macht, weil er verbindet, weil er einfach ist, weil er Geschichte hat, weil er ganze Nationen elektisiert, weil er schöne Geschichten schreibt, weil es Gewinner und Verlierer gibt, aber manchmal auch zwei, die sich was teilen, weil er eine Ablenkung zu dem ganzen anderen Schlechten ist, das auf der Welt passiert, und und und.

Das hindert mich aber nicht daran, auch mal Basketball oder andere Sportarten anzuschauen, zu spielen oder mich dafpr zu interessieren. Dazu ist der Mensch nämlich durchaus imstande.

Ich bin zufrieden mit "meinem" Fussball, auch wenn der FC morgen verliert...

von MiPee am 03.12.2006 um 21:06h

In Meinen Augen ist es schierer Schwachsinn, anzunehmen, daß Fußball in Deutschland jemals als Sportart Nummer 1 abgelöst wird. Warum? Ganz einfach: Es ist die einfachheit bei klare Regeln. Alles was ich brauche ist ein Ball. Zwei Steine als "Torpfosten" und ab dafür. Egal wo. Strasse, Hinterhof oder irgendeine Wiese. Basket-/ und Football haben den Nachteil, daß sie gewisses Equiptment voraussetzten (den Korb - das "Ei"). Mich stört beim Football (wenn ich denn mal NFL schaue), daß das ganze Spiel vom Coach durchgeplant wird, bzw der Mannschaft die Spielzüge vorgibt. Aber ich meine, daß sich sämtliche Sportarten in Deutschland irgendwie etabliert haben. Es fällt halt nicht so auf, weil es im Fernsehen nicht so present sind. Aber klar: Man muß mal sehen, was die Amis mit ihren "Sportarten" nur über das Merchandising verdienen und was sie dafür für ein Spektakel veranstalten. Der Deutsche an sich will diesen "Einzug der Gladiatoren in die Arena" nicht, wie es der Ami zelebriert, sonst hätten wir es doch schon ...

von Timbo_Rowski am 03.12.2006 um 23:22h

Zur "Einfachheit des Spiels" -- das klingt recht einleuchtend, bloß: In der USA spielen die Kinder halt "Fangen und Rennen" anstatt "Passen und Kicken", zwar mit einem "Ei", aber einen Fußball muß man sich auch erst einmal besorgen. Man soll es nicht für möglich halten, aber in relativ armen Ländern wie Kroatien, Slowenien oder Griechenland findet sich in den kleinsten Dörfern ein Basketballkorb.

von Clintinho am 04.12.2006 um 12:00h

Leider verkommt des Deutschen liebstes Kind Fussball ( zumindest auf Profi-Ebene ) nun in den letzten Jahren doch immer mehr zum Goldesel gewiefter Manager, siehe Namensrechte. Und die Protagonisten werden bekreischt wie einst die Boygroups. Da stellt sich doch die Frage wie verträgt der Sport diese Entwicklung. Ich bin kein Prophet aber ich glaube nicht, dass mittel- bis langfristig eine andere Sportart den Fussball in Deutschland an der Spitze ablösen wird.

Das liegt allerdings nicht an der Vermarktung der Fussball Bundesliga oder an der vielleicht weniger guten Vermarktung anderer Sportarten sondern vielmehr an den millionen "bekloppten Hartplatzhelden", die Wochenende für Wochenende für Nichts diesem Hobby frönen, weil es einfach Spaß macht.

Ich habe in meiner Jugend ( ich spiele in der alten Herren/Senioren ü 32 und habe das Einstiegsalter mittlerweile deutlich überschriten ) diverse Sportarteb ausprobiert, doch nichts ist so schön wie hinter einem Ball hinterherzurenhnen.


 
 
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