In unseren Sportgerichten gibt es Defizite

Hartplatzhelden: Herr Zwanziger, was halten Sie vom Internet?

Theo Zwanziger: Das Internet spielt eine zunehmend größere Rolle. Auch für einen 63-Jährigen ist es ungemein wichtig geworden. Es ist das Medium der Zukunft, das unsere Gesellschaft verändert und weiter verändern wird. Leider kann ich auf meinem Mobiltelefon noch keine Videos abspielen. Aber auch das wird kommen.

Hartplatzhelden: Ist es für Sie ein ernstzunehmendes Informationsmedium? Ich frage deswegen, weil der Fall, den wir heute in erster Linie besprechen wollen, im Internet angestoßen worden ist.

Zwanziger: Ja, das ist es. Auch wenn es in diesem großen Kommunikationsnetz einen Nachteil gibt: Die Anonymität, die die Foren bieten, verführt manchmal zu unüberlegten und diffamierenden Aussagen. (...)

Hartplatzhelden: Beim Thema Sonntagsspiele der Bundesliga kollidieren Sie mit dem Amateurfußball. Aber nicht nur hierin. Ich bin seit dreißig Jahren in Fußballvereinen als Spieler und Trainer aktiv. Ich weiß, dass viele Vereine sich von den Verbänden gegängelt, überreguliert und in Rechtsfällen zu hart bestraft fühlen. Man findet aber schwer einen Offiziellen, der sich in der Zeitung zu Wort meldet. Die Verantwortungsträger von den Verbänden gelten manchen als selbstherrliche Fürsten, mit denen man sich lieber nicht anlegt. Wie können Sie dem entgegentreten?

Zwanziger: Es ist nicht immer einfach, die Interessensgegensätze zwischen Verband und Verein auszugleichen. Vereine wollen Fußball spielen und übersehen, dass es Regeln gibt, dass der Wettbewerb geordnet werden muss, Schiedsrichter angesetzt werden, Recht gesprochen wird. Der Verband leistet überwiegend ehrenamtlich all dies …

Hartplatzhelden: … und wird von den Vereinen dafür bezahlt …

Zwanziger: Die Vergütungen, die von den Vereinen gezahlt werden, sind im wesentlichen Vergütungen für Dienstleistungen der Verbände. Konflikte wird es auf diesem Feld aber immer geben, allein schon deshalb, weil der Verband als Kontroll- und manchmal auch als Polizeiinstanz auftreten muss.

Hartplatzhelden: Einer meiner Spieler wurde wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt, nachdem er mehrfach provoziert worden war. Vor der Verhandlung fragte er mich, was er sagen solle. Ich riet ihm, die Wahrheit zu sagen. Er wurde sechs Monate gesperrt – wegen eines an und für sich harmlosen Fußtritts. Es wäre besser gewesen, wenn er gelogen und alles bestritten hätte; er wäre mit einer Monatssperre davongekommen. Es war das letzte Mal, dass ich einem Spieler zu Ehrlichkeit vor dem Sportgericht rate.

Zwanziger: Oh je! Sie müssen verstehen, die Mitarbeiter in unseren Rechtssprechungsorganen sind Ehrenamtler, von denen die meisten in modernen strafrechtlichen Fragen nicht ausgebildet sind. Deswegen bemühen wir uns, dieses Defizit zu beheben. In Sachen Prävention und Bewährung wollen wir modernere Maßstäbe etablieren. Aber dafür braucht man gut ausgebildete Leute. Ich gebe zu: Im Amateurfußball wird mitunter zu hart bestraft. Im Profifußball würden uns die Arbeitsgerichte solch lange Sperren nicht durchgehen lassen.

Hartplatzhelden: Darf ich Ihnen am Ende eine Frage als Befangener stellen? Anfangs haben Sie bedauert, dass Ihr Mobiltelefon keine Video-Clips abspielt; vielleicht vermissen Sie ja die schönsten Tore von Ihrem Heimatklub VfL Altendiez. Wie stehen Sie zum Fall Hartplatzhelden?

Zwanziger: Ich kann dazu nicht viel sagen, weil es für mich bisher ein Randthema ist. Es ist es keine DFB-Angelegenheit, sondern die Sache der Landesverbände, die hier ihre Ansprüche anmelden und ihre Rechte gefährdet sehen. Diese Meinung trage ich natürlich mit.

Fragen von Oliver Fritsch, das vollständige Interview lesen Sie hier.

 

Habt auch Ihr schon Kurioses, Ungerechtes, Erzählenswertes vor dem Sportgericht erlebt? Dann gebt es hier zum Besten!

 

Kommentare: 1
von FAB am 03.03.2009 um 15:22h

So ein Schwachsinn, auch vom Amateurfussball sollte man eine gewisse Flexibilität erwarten können. Feirtagsspiele, Samstagsspiele... es gibt genügend Lösungen. Aber dem Amateurfußball geht es in erster Linie auch nur um´s liebe Geld... nur versteckt man sich hinter dem Alibiargument, der Profifußball würde den Amateurclubs am Sonntagnachmittag die Zuschauer wegehmen. Wenn ich sowas lese bzw. höre, dann kann ich wahrlich nur noch den Kopf schütteln. Ich hab doch in der Landesliga selbst vor nur 20 oder 30 Zuschauer gespielt, die wären auch gekommen, wenn gerade der Nachbarclub gegen Real Madrid gespielt hätte. Auch gute Amateurpartien werden weiterhin gut besucht werden und uninteressante bzw. bedeutungslose Spiele bleiben auch weiterhin wenig besucht... die Fehler haben die Amateurclubs die letzten zig Jahre gemacht, da braucht heute keiner wegen einem Bundesligaspiel um 15:30 Uhr zu jammern. - Sowas scheinheiliges!

grüsse
Fab
www.derfablog.de

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