In zwei Wochen beginnt die neue Fußballsaison. Und zwar die erste, in der ein Bundesligaspiel während der Kernzeit des Amateurfußballs ausgetragen wird, nämlich sonntags um 15.30. Darüber gab es in der vorigen Spielzeit Auseinandersetzungen zwischen der Basis und dem DFB. Keimzelle des Protests war der Gelsenkirchener Fußballkreis 12 unter Führung von Reiner Grundmann (SC Schaffrath) und Norbert Bauer (SSV Buer), beides seit Jahren ehrenamtliche Vorsitzende von Vereinen, die in Spucknähe zum Schalker Stadion liegen – und die viele Schalke-Fans und -Dauerkartenbesitzer in ihren Mannschaften und Vorständen sowie unter ihren Mitgliedern zählen.
Doch sie scheiterten mit ihrem Plan, den Sonntag bis 17.30 Uhr bundesligafrei zu halten. Am 24. April beschlossen die Delegierten des DFB-Bundestags in Düsseldorf den neuen Bundesliga-Spielplan mit einem Wahlergebnis, das der SED den Neid ins Gesicht getrieben hätte. Die Folgen dieses Verrats an der Basis sind noch nicht absehbar, zumal einige Vereine bereits unter der bisherigen Situation zu leiden hatten.
Um dies zu illustrieren, ein Blick zurück: Am Sonntag, den 10. Mai 2009, spielte Schalke 04 in Mönchengladbach (17 Uhr), der SC Schaffrath empfing den VfL Grafenwald (15 Uhr). Nach Schaffrath kamen nach Angaben Grundmanns 22 zahlende Zuschauer, der Durchschnitt in dieser Saison liege bei rund 60. Die Einnahmen durch Tickets konnten nicht einmal die beiden Schiedsrichterrechnungen (inklusive Vorspiel der Reserveteams) decken. 46 € Haben (12 Nichtmitglieder à 3 Euro plus 10 Mitglieder à 1 Euro) stehen 54 € Fahrtkosten für die Referees gegenüber.
Insgesamt verzeichne der Verein einen Zuschauerrückgang von rund 50 Prozent innerhalb der vergangenen drei Jahre, also seit die Bundesliga-Sonntagsspiele von 17.30 auf 17 Uhr vorverlegt worden sind. Das liegt wohl nicht nur an der Bundesliga, doch zu einem Gutteil. Der Amateurfußball habe generell gegen den Profifußball verloren, ergänzt Grundmann: „Gegen Schalke haben wir keine Chance.“
Um den Rückgang der Einnahmen auszugleichen, hat der SC Schaffrath seine Monatsbeiträge Anfang dieses Jahres von 5 auf 6 Euro erhöhen müssen. Es ist möglich, dass Mitglieder aus dem Verein austreten werden. „Ob uns die Beitragserhöhung Mitglieder kostet, ist nicht auszuschließen“, sagt Grundmann. Durch das fünfzigjährige Jubiläum im Juni konnte der Verein die Vereinskasse etwas aufbessern. Doch das nächste Jubiläum wird erst in zehn Jahren stattfinden. „Und ein Vereinsleben nach dem Abpfiff gibt es schon jetzt nicht mehr, da schauen alle Bundesliga.“ Das ist eine ökonomische Frage. Die dritte Halbzeit ist aber auch ein Stück Fußballkulturgut.
„Wir leben von der Hand in den Mund“, klagt Grundmann. „Was wird erst los sein, wenn die Bundesliga um 15.30 Uhr angepfiffen wird? Wenn Schalke spielt, können wir unser Spiel absagen.“ Ob es für die Amateure denkbar sei, an anderen Tagen zu spielen? Schwierig, entgegnet Grundmann. Freitags und samstags sind auch Bundesliga-Spiele, und unter der Woche müssen viele Spieler arbeiten. Lapidar spricht er sein bitteres Fazit aus: „Es kann sein, dass der SC Schaffrath in den nächsten Jahren den Spielbetrieb einstellen muss.“
Dass der Amateurfußball in den Leitmedien keine Lobby hat, dürfte auch nicht überraschen. Hier moniert der Blogger Dülp zurecht, wie genau es der kicker mit der Mathematik nimmt, wenn er auf die Kreisliga zu sprechen kommt. (Addendum: Der kicker-Chefredakteur war mal Pressechef beim DFB.) Wir werden an dieser Stelle den Werde- (hoffentlich nicht Nieder)gang des SC begleiten.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass der DFB dem Amateurfußball ein schlechter Vertreter ist.
Hallo Ingrid!
Bin unsicher, ob die Frage tatsächlich eine Frage oder ein verdeckter Hinweis auf den Tatbestand ist. Egal wie, dieser ist so, dass die Vereine kostengünstig ihre Sonntagsspiele verlegen dürfen, wenn ein (ich glaube, im Umkreis von 100km) beheimateter Bundesliga-Verein zur gleichen Zeit ein Spiel hat. Dies war aber wohl lediglich die Reaktion auf ein fröhliches Fäusteschwingen der Amateurvereine, die ja zurecht gegen die neue Sonntags-Regelung der DFL demonstriert haben.
Für mich ist das zwiespältig. Denn: die Idee ist ok, es ist ein Entgegenkommen. Andererseits spielen seit Jahr und Tag Amateurvereine auch samstags (ich denke hier an die Hessenliga, komme selbst aus Hessen), niemand hat sich je darüber beschwert, dass man zeitgleich nicht zum Heimspiel der Eintracht gehen konnte. Ich denke, es gibt keine einheitliche und vor allem gute Regelung, um allen gerecht zu werden. Abgesehen davon wird das "Sonntagslos" jeden Bundesliga-Verein nicht so oft treffen, wie wir es derzeit noch orakeln, vielleicht sind es drei oder viel Spieltage. Besonders betroffen sind hier natürlich die am UEFA-Cup teilnehmenden Clubs, ganz klar...
Habe ich das jetzt richtig verstanden? Der SC Schaffrath hat bei dem besagten spiel ein "Minus" von 8 (in Worten: acht) erlitten. -- Das ist tragisch.
Leute, kommt mal wieder runter. Jedes Hobby kostet Geld. Und hier haben sich 11 (bis 14) Personen versammelt, um gemeinsam ihrem Hobby, Fußball zu spielen, nachzugehen. Kosten für jeden also ca. 80 Cent.
Da müsst Ihr echt nicht jammern, jeder Angler lässt sich sein Hobby mehr "kosten".
Habt Ihr mal darüber nachgedacht, einfach besser zu spielen, damit Euer Gekicke mehr Leute anschauen wollen??? Ihr würdet dann vielleicht sogar aufsteigen... und mehr Zuschauer würden auch kommen.
Und bei Vereinsbeiträgen von 6 Euro mtl. kommen mir endgültig gleich die Tränen. Wir zahlen für unsere beiden Kinder im Schwimmverein jeweils 12 Euro. Monatlich. Und wie gesagt: Für Kinder. Die können sich das Geld nicht selbst verdienen wie die erwachsenen Fußballer bei Euch.
Also, lasst doch mal ein bisschen Luft aus dem Ball und kommt zurück zur Erde.
Eine Frage dazu: Der Spielplan der Bundesligisten wird ja immer nach und nach festgelegt, die Amateure haben jetzt den Spielplan für die ganze Hinirunde. Wenn ein Amateurverein in Nachbarschaft eines Bundesligisten dann nach Festlegung der nächsten BL-Spiele sieht, dass er zeitgleich mit dem Bundesligisten spielt, kann er dann sein Spiel verlegen und zwar auch kostenlos? Oder muss er für das Verlegen die Gebühren zahlen, die immer bei Spielverlegungen anfallen?