Die Letzte Frau, die gibts noch nicht

Der DFB hat nun beschlossen, gemischte Testspiele zu erlauben, weil ein grundsätzliches Verbot von Fußballspielen zwischen Frauen und Männern „nicht mehr zeitgemäß“ sei. In der Tat, ein unnötiges Verbot war das! Aber wer soll und will sich jetzt eigentlich mit wem messen?

Meine Erfahrung mit Testspielen zwischen Frauen und Jungs (waren auch bisher gestattet) fällt einseitig aus. Sehr einseitig. Sehr, sehr einseitig. Unsere A-Jugend, keine schlechte, aber auch nicht unter den dreißig besten Mannschaften Hessens, hat jüngst den Tabellenführer einer Frauen-Landesliga, also ein Team, das im nächsten Jahr in der 3. Liga spielen wird, 25:0 geschlagen. Meine ehemalige männliche B-Jugend (also etwa 15-Jährige) bezwang einmal die hessische Frauen-U21, darunter Spielerinnen mit Bundesliga- und Uefa-Cup-Erfahrung, mit 8:3. Gegen welches Herrenteam – gemeint ist: aus welcher Liga? – die Frauen-Nationalelf wohl gewinnen würde?

Die sportlichen Vorteile des männlichen Geschlechts liegen hauptsächlich in der Schnelligkeit, das meint auch Handlungsschnelligkeit. Aber Frauen müssen ja nicht gegen Männer bestehen; daher sind solche Vergleiche eigentlich unnötig. Ebenso wie die umgekehrte Behauptung, die in Deutschland (ich glaube) zu Erich Ribbecks Zeiten fast konsenshaft wurde, wonach Frauen technisch besser und damit ansehnlicher spielten. Fraglich, denn wenn alles langsamer abläuft – Zweikampf, Ballkontrolle, Passspiel -, fallen einem natürlich die Bewegungsabläufe leichter. Rasanz und Tempo sind im Sport und in der Sportwissenschaft nun mal auch technische Faktoren.

Männer gewinnen gegen Frauen– mit dieser These kann man keine Fußballerin provozieren. Gestus und Attitüden des Frauenfußballs sind ohnehin dem Männerfußball entlehnt. Ich hab mal eine Bezirksauswahl der Mädchen betreut, zum Training kamen sie in Trikots von Rosicky, Elber und Balakov – und nicht von Prinz, Jones und Neid. Und normalerweise wissen auch die meisten Spielführerinnen von Frauen-Teams, wo im Sportheim die Kiste Bier steht. Das Kaffeeservice, das der DFB 1989 der Frauennationalelf für den ersten Europameistertitel als Prämie überreichte, war vermutlich doch nicht so zielgruppengerecht wie erhofft.

Fußballerinnen scheren sich im allgemeinen nicht um die Ge- und Verbote politischer Korrektheit; das erkennt man schon an der Sprache. Haben sich an Universitäten die sprachlich gerechten, aber grammatisch heiklen „Studierenden“ durchgesetzt, sind dem Frauenfußball die „Mannschaft“, der „Letzte Mann“, und der „Manndecker“ erhalten geblieben; mit Vokabeln wie Frauschaft, Letzte Frau, und Fraudeckerin würde man sich vor Fußballerinnen wohl blamieren. Selbst die größte Diskriminierung, eigentlich eine gut gemeinte Maßnahme, nehmen sie hin: die Regel „Frauentore zählen doppelt“, beliebt bei Hobby- und Uni-Turnieren mit gemischten Mannschaften. Übrigens, die abfälligsten Bemerkungen über Frauenfußball hab ich aus weiblichem Mund gehört. Doch sie entstammen hessischer Mundart und sind nur schwer zu übersetzen, weswegen ich hier auf die Wiedergabe verzichte.

 

#14 meiner Kolumne auf rund-magazin.de

Kommentare: 1
von Michael Wiemer am 03.07.2007 um 17:04h

JA JA.... selbige Versuche die Leistung von Frauen und Männern zu vergleichen gab es auch im Schach. Der ehemalige Schachweltmeister Bobby Fischer äußerte sich despektierlich gegenüber Frauenschach und zog sich damals in den 70igern den Unmut russischer Schachfunktionäre zu. Frauenfußball ist schon okay. Er fasziniert jedoch nicht die Massen und wird ja auch in der Welt der Sponsoren nicht so ganz ernst genommen. Die Spiele sehen auch immer etwas langsamer aus und die Zweikämpfe haben nicht die Power der Zweikämüpfe der Männer.

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen
* Pflichtfeld
Sie können die Grafik nicht erkennen? Anderer Test.



 
 
©  Hartplatzhelden 2.0  ~  wegewerk> wwEdit CMS 3.2.1