Von Reiner Grundmann
Ich spreche für eine Interessengruppe aus dem Raum Gelsenkirchen. Wir sind gegen die Ansetzung von Fußballspielen der 1. Bundesliga am Sonntag vor 17.30 Uhr. Das hat folgende Hintergründe:
Wir liegen im unmittelbaren Einzugsgebiet des Bundesligisten Schalke 04, auch Borussia Dortmund und der VfL Bochum sind vor unserer Haustür. Durch die direkte zeitliche Konkurrenz mit der Bundesliga werden wir Sonntag für Sonntag Zuschauer verlieren – und Spieler obendrein. Viele unserer Vereinskameraden sind Schalke-Fans, die kein Spiel am Fernseher verpassen, einige haben eine Dauerkarte. Bereits der aktuelle Bundesliga-Spielplan, der zwei Sonntagsspiele um 17 Uhr vorsieht, hat uns in den letzten Jahren sehr zu schaffen gemacht. Das Vereinsleben, das sich zum großen Teil nach Abpfiff abspielt, ist fast schon zum Erliegen gekommen. Die dritte Halbzeit ist nicht mehr so schön und lang wie früher.
Der neue Bundesliga-Spielplan wird uns finanziell treffen. Wir fühlen uns in unserer Existenz stark gefährdet und können unseren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Erstens unseren sozialen Aufgaben: Wir fördern den Spaß an der Bewegung, das Für- und Miteinander in einem Team. Wir fangen Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten auf und helfen ihnen bei der Integration in die Gesellschaft.
Zweitens geht es bei uns natürlich auch ums Gewinnen und die Leistung. Wir bilden Kinder und Jugendliche im Fußballspielen aus. Und hat nicht so manch ein Nationalspieler das Stoppen und Passen in einem Verein wie dem unseren gelernt?
Die Amateure sind die Basis des deutschen Fußballs. Der DFB hat das mal gewusst, muss sein Motto „Der Sonntag gehört den Amateuren“ inzwischen aber vergessen haben. Machen sich Verbände und Profivereine Gedanken darüber, welche Probleme sie für den Fußball und die Gesellschaft heraufbeschwören, wenn sie gegen die Interessen der Amateurvereine handeln?
Unser Protest ist zunächst gescheitert, der DFB hat den neuen Grundlagenvertrag am 24. April einstimmig (bei einer Enthaltung) genehmigt. Wir fühlen uns von den Verbänden sehr schlecht vertreten. Wir werden uns weiter gegen das Sonntagsspiel wehren. Denn uns bleibt nichts anderes übrig.
Wir wollen ein verträgliches Miteinander von Profi- und Amateurfußball, denn wir sind nicht nur Amateurfußballer. Ich bin Schalke-Fan und trage mein Geld in die Stadien, viele unserer Mitstreiter sind Premiere-Abonnenten. Wir werden jedoch nicht tatenlos zusehen, wie das Fernsehen dazu beiträgt, dass unsere Amateurvereine ihre Existenzgrundlage verlieren und ihr Fortbestand mehr und mehr gefährdet ist.
Protokolliert von Oliver Fritsch
Reiner Grundmann ist Vorsitzender des Gelsenkirchener Kreisligisten SC Schaffrath und Initiator des Protests gegen den neuen Bundesliga-Spielplan
Klare Antwort: Wir sind der Auffassung, dass jeder seine Filme dort hochladen kann, wo er will. Wir würden nie Exklusivverträge mit Vereinen schließen wollen. Wir sind für Wettbewerb. Wenn es woanders eine andere (eine bessere?) Plattform gibt, dann müssen und können wir damit leben.
Wir sind für die Verbreitung des Amateurfußballs, unsere Clips kann jeder auf seiner Homepage über den Embed-Code einbinden. Auf heise.de hat ein User gemutmaßt: Wenn wir Hartplatzhelden ein Turnier veranstalten würden, wollten wir auch nicht, dass Clips davon woanders landen. Da schätzt er uns falsch ein.
Inhalt zu verschließen ist die alte Methode der Medien, wir sehen das anders.
Ich bin ja eine Befürworterin der Hartplatzhelden und gegen das geplante Monopol der Verbände betr. Videos von Amateurspielen. Auch sehe ich für die Vereine in unmittelbarer Nähe von BL-Vereinen das Problem der Sonntagsspiele.
Aber wie ist das mit der hier vorgestellten Kooperation gedacht, dass die dem Bündnis beigetretenen Vereine die Rechte an die Hartplatzhelden abtreten?
Ich als Videofilmerin von Amateurfußballspielen möchte doch die Freiheit behalten, selbst zu entscheiden, wo ich meine Videos hochlade, auch im Interesse der Spieler, die ich filme, denn mit einem tollen Tor, was ich zufällig gerade gefilmt habe, möchte ich vielleicht an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen, falls es diese Möglichkeit gibt.
Die Verbände wollen das ja verbieten, dass die Spielszenen noch auf anderen Plattformen zu sehen sind. Ich nehme aber mal an, dass die Hartplatzhelden diese "Rechtsabtretung" nicht so eng sehen und ein Tor sonst nirgends veröffentlicht sein darf?
Und wie ist es, wenn ein Verein seine Rechte an die Hartplatzhelden abtritt, aber ein Fan des Vereins seine Videoszenen lieber grundsätzlich woanders hochlädt?